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1215 – 1592 · 377 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Viertes Laterankonzil: Kennzeichnungspflicht für Juden

Das Vierte Laterankonzil unter Papst Innozenz III. ordnete 1215 an, dass Juden und Muslime in allen christlichen Ländern durch ihre Kleidung von Christen unterscheidbar sein müssen. Begründet wurde das mit verbotenem Umgang mit christlichen Frauen; laut Jewish Encyclopedia war das kaum mehr als ein Vorwand. Kirchliche Konzilien und dann Könige setzten das Zeichen in ganz Europa durch, meist als gelben Ring. Das Kennzeichen trug laut Jewish Encyclopedia wesentlich zur zunehmenden Herabsetzung der Juden bei; im päpstlichen Avignon galt es noch 1592.

Zeitraum
1215 – 1592 (377 Jahre)
Land
Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, Vatikanstadt, Vereinigtes Königreich, Österreich
Institutionen
Heiliger Stuhl
Viertes Laterankonzil
Provinzialkonzilien
Kategorie
Antijudaismus, Verfolgung
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?
Personen
Innozenz III. (Papst)

Was den Menschen geschah

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. In Frankreich ordnete das Konzil von Narbonne 1227 das Ringzeichen für die ganze französische Kirche an; zahlreiche weitere Konzilien wiederholten es. Der Staat folgte: Ludwig IX. erließ 1269 eine entsprechende Verordnung. Wer ohne Zeichen angetroffen wurde, zahlte Strafe, und Juden mussten für die Zeichen jährlich bezahlen.
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Abschnitt In France
    „After the Lateran Council it was ordered in the whole of ecclesiastical France at the Council of Narbonne in 1227“
    Badge, Abschnitt In France. Original
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Abschnitt In France
    „The state followed the Church in imposing the Badge upon the Jews in France. Saint Louis published an ordinance to that effect (June 19, 1269)“
    Badge, Abschnitt In France. Original
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Abschnitt In France
    „Adding injury to insult, the authorities forced the Jews to pay an annual sum for the use of the badges“
    Badge, Abschnitt In France. Original
  2. In England führte Erzbischof Stephen Langton von Canterbury das Zeichen 1222 ein. Papst Benedikt XIII. verlangte 1415 per Bulle ein gelb-rotes Zeichen, bei Männern auf der Brust, bei Frauen auf der Stirn. Im päpstlichen Avignon ist das Kennzeichen noch 1592 belegt.
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Abschnitt Spain, Italy, and England
    „It was first imposed upon the Jews in England by Stephen Langton, archbishop of Canterbury, in 1222“
    Badge, Abschnitt Spain, Italy, and England. Original
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Abschnitt Spain, Italy, and England
    „a bull of Benedict XIII. (May 11, 1415) insisted upon the Jews carrying a yellow and red Badge, the men on their breast, the women on their forehead“
    Badge, Abschnitt Spain, Italy, and England. Original
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Abschnitt In France
    „the wearing of the Badge was still kept up at Avignon, which was under the rule of the popes; and evidence of the Badge is found there as late as 1592“
    Badge, Abschnitt In France. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Das Kennzeichen hatte laut Jewish Encyclopedia verheerende Folgen für das Zusammenleben; die zunehmende Herabsetzung der Juden in der Christenheit ging in großem Maß auf dieses äußere Zeichen zurück, das der Diskriminierung den amtlichen Stempel von Kirche und Staat gab.
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Einleitung
    „The Badge had a most deleterious effect upon their social relations; and the increasing degradation of the position of Jews in Christendom was due in a large measure to this outward sign of separation, which gave the official stamp of both Church and state to the discrimination of social status against the Jew.“
    Badge, Einleitung. Original

Hintergrund

Ablauf

  1. Das Konzil, einberufen von Innozenz III., bestimmte in den Kanones 68 und 69, dass Juden und Muslime eine besondere Kleidung tragen müssen, um von Christen unterschieden zu werden. Laut Jewish Encyclopedia wurde das Kennzeichen damit zu einer allgemeinen Anordnung der Christenheit, auf Betreiben von Innozenz III.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 9 (1910), Liste der Kanones
    „Canons 68, 69: Jews and Moslems shall wear a special dress to enable them to be distinguished from Christians .“
    Fourth Lateran Council (1215), Liste der Kanones. Original
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Einleitung
    „This was made a general order of Christendom at the fourth Lateran Council of 1215. At the instigation of Innocent III., the decision of the Council ordered the Jews, in the following terms, to bear a Badge“
    Badge, Einleitung. Original

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Als Begründung nennt der Konzilstext, dass Christen und Juden oder Muslime sich irrtümlich miteinander vermischten. Laut Jewish Encyclopedia war das kaum mehr als ein Vorwand; die Kirche wollte eine scharfe Trennlinie zwischen Gläubigen und „Ungläubigen“ ziehen. Das Kennzeichen war der letzte Schritt einer Reihe von Bestimmungen, die gesellschaftlichen Umgang zwischen Juden und Christen verhindern sollten.
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Einleitung
    „From this it would appear that the motive of the order was to prevent illicit intercourse between Jews and Christian women; but it is scarcely doubtful that this was little more than a pretext, the evidence of such intercourse being only of the slightest“
    Badge, Einleitung. Original
    Beleg: Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs, Einleitung
    „the Badge came as the last stage in a series of enactments in the twelfth century, intended to prevent social relations between Jews and Christians“
    Badge, Einleitung. Original

Originaltexte

Originaltext Viertes Laterankonzil 1215, Kanon 68 (zitiert in der Jewish Encyclopedia)

Contingit interdum quod per errorem christiani Judæorum seu Saracenorum et Judæi seu Saraceni christianorum mulieribus commisceantur. Ne igitur tam damnatæ commixtionis excessus per velamentum erroris hujusmodi, excusationis ulterius possint habere diffugium, statuimus ut tales utriusque sexus in omni christianorum provincia, et omni tempore qualitate habitus publice ab aliis populis distinguantur.

Übersetzung (nicht amtlich)

Es kommt bisweilen vor, dass sich durch Irrtum Christen mit jüdischen oder sarazenischen Frauen und Juden oder Sarazenen mit christlichen Frauen vermischen. Damit sich also der Frevel einer so verdammenswerten Vermischung nicht länger hinter dem Vorwand eines solchen Irrtums verstecken kann, bestimmen wir, dass solche Menschen beiderlei Geschlechts in jeder christlichen Provinz und zu jeder Zeit durch die Art ihrer Kleidung öffentlich von den anderen Völkern unterschieden werden.

Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs: Badge, Einleitung. Original

Siehe auch

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    The Catholic Encyclopedia, Bd. 9 (1910): Fourth Lateran Council (1215), 1. Januar 1910. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
  2. Nachschlagewerk
    Jewish Encyclopedia (1901–1906), Cyrus Adler, Joseph Jacobs: Badge. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 12. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.