Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
1300 – 1562 · 262 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Ablasshandel, Sündenvergebung gegen Geld

Ablässe sollten Sündenstrafen erlassen; über Jahrhunderte wurden sie gegen Geld verkauft. Schon um 1270 warnte der Prediger Berthold von Regensburg, Tausende glaubten, sich für einen Pfennig von allen Sünden freikaufen zu können. 1517 verkaufte der Dominikaner Johann Tetzel Ablässe für Erzbischof Albrecht von Mainz: Die Hälfte des Erlöses ging an Albrecht, der damit Schulden beim Bankhaus Fugger tilgte, die andere Hälfte an Papst Leo X. für den Bau des Petersdoms. Tetzel verkündete, sobald die Münze im Kasten klinge, sei die Seele aus dem Fegefeuer befreit. Erst 1562 schaffte das Konzil von Trient das Amt der Ablassverkäufer ab.

Zeitraum
1300 – 1562 (262 Jahre)
Land
Deutschland, Vatikanstadt, Vereinigtes Königreich
Institutionen
Heiliger Stuhl
Erzbischof Albrecht von Mainz
Ablassprediger („Pardoner“)
Bankhaus Fugger
Kategorie
Finanzdelikt
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?
Personen
Johann Tetzel (Dominikaner, Ablassprediger)
Leo X. (Papst)

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Betroffen waren die Gläubigen, denen gegen Geld Sündenvergebung versprochen wurde. Schon Papst Bonifatius IX. beklagte 1390, dass Ablassverkäufer selbst unbußfertige Sünder für lächerlich kleine Summen lossprachen.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Abschnitt zu den Missbräuchen
    „Pope Boniface IX., complained of their absolving even impenitent sinners for ridiculously small sums“
    Indulgence, Abschnitt zu den Missbräuchen. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Der Kanzler der Universität Oxford, Thomas Gascoigne, schrieb 1450, Sünder sagten, sie kümmere nicht, wie viel sie sündigten, weil sie sich die Vergebung beim Papst für vier oder sechs Pence oder ein Tennisspiel kaufen könnten.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Abschnitt zu den Missbräuchen
    „whose writing and grant I have bought for 4d. or 6d. or for a game of tennis“
    Indulgence, Abschnitt zu den Missbräuchen. Original

Zeugenberichte und Akten

Zeitzeuge Der Prediger Berthold von Regensburg über die Ablassverkäufer (um 1270)

“Fie, penny-preacher! … thou dost promise so much remission of sins for a mere halfpenny or penny, that thousands now trust thereto, and fondly dream to have atoned for all their sins with the halfpenny or penny, and thus go to hell”

Übersetzung (nicht amtlich)

„Pfui, Pfennigprediger! Du versprichst so viel Sündenvergebung für einen bloßen Halbpfennig oder Pfennig, dass Tausende jetzt darauf vertrauen und sich einbilden, mit dem Halbpfennig oder Pfennig für all ihre Sünden gebüßt zu haben, und so in die Hölle fahren.“

Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911): Indulgence, Abschnitt zu den Missbräuchen. Original

Hintergrund

Ablauf

  1. Den großen Jubiläumsablass führte Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1300 ein; er sollte zunächst alle hundert Jahre gefeiert werden, ab 1475 alle 25 Jahre.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Abschnitt „Jubilee“
    „This was instituted in 1300 by Boniface VIII., who pleaded a popular tradition for its celebration every hundredth year“
    Indulgence, Abschnitt „Jubilee“. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Abschnitt „Jubilee“
    „again in 1475 to 25 years“
    Indulgence, Abschnitt „Jubilee“. Original
  2. Johann Tetzel, Dominikaner und Inquisitor, trat ab 1503 als Ablassprediger auf; 1516 predigte er den Ablass für den Bau des Petersdoms in Rom.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 14 (1912), Lebenslauf
    „In 1503 he made his first appearance as a preacher of indulgences“
    Johann Tetzel, Lebenslauf. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 14 (1912), Lebenslauf
    „his appearance as an indulgence preacher in 1516, to aid the construction of St. Peter's at Rome“
    Johann Tetzel, Lebenslauf. Original

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Tetzel versprach laut Britannica: Sobald die Münze im Kasten klingt, ist die Seele aus dem Fegefeuer befreit.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Lebenslauf, 1517
    „as soon as the coin clinks in the chest, he cried, the soul is freed from purgatory“
    Tetzel, Johann, Lebenslauf, 1517. Original

Wer bekam das Vermögen, wer profitierte?

  1. Das Geschäft hinter Tetzels Predigten: Albrecht, mit 24 Jahren Erzbischof von Mainz geworden, musste Rom für sein Amt eine hohe Abgabe zahlen. Er vereinbarte mit Papst Leo X., sie bar zu bezahlen und sich durch den Verkauf von Ablässen schadlos zu halten. Die Hälfte des Erlöses ging an Albrecht, die andere an den Papst für den Bau des Petersdoms. Tetzel wurde dabei von einem Angestellten der Fugger begleitet, bei denen Albrecht das Geld geliehen hatte.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Lebenslauf, 1517
    „Albrecht had been elected at the age of twenty-four to a see already impoverished by frequent successions and payments of annates to Rome“
    Tetzel, Johann, Lebenslauf, 1517. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Lebenslauf, 1517
    „He had agreed with Pope Leo X. to pay his first-fruits in cash, on condition that he were allowed to recoup himself by the sale of indulgences. Half the proceeds in his province were to go to him, half to Leo X. for building the basilica of St Peter’s at Rome“
    Tetzel, Johann, Lebenslauf, 1517. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Lebenslauf, 1517
    „was accompanied by a clerk of the Fuggers from whom Albrecht had borrowed the money to pay his first-fruits“
    Tetzel, Johann, Lebenslauf, 1517. Original
  2. Auch der Kurfürst von Brandenburg, Albrechts Bruder, förderte Tetzel in der Hoffnung, an der Beute beteiligt zu werden.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Lebenslauf, 1517
    „the elector Joachim of Brandenburg, encouraged him at Berlin in the hope of sharing the spoils“
    Tetzel, Johann, Lebenslauf, 1517. Original

Reaktion der Kirche

  1. 1562 schaffte das Konzil von Trient das Amt des Ablassverkäufers ab.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Abschnitt zu den Missbräuchen
    „In 1562 the Council of Trent abolished the office of “pardoner.”“
    Indulgence, Abschnitt zu den Missbräuchen. Original

Siehe auch

  • Person 10.11.1483 – 18.02.1546 · 62 Jahre alt

    Martin Luther

    • Deutschland
    • Antijudaismus
    • Gewalt
    • Häresieverfahren

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911): Tetzel, Johann, 1. Januar 1911. Original (abgerufen 11. 10. 2026)
  2. Nachschlagewerk
    Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911): Indulgence, 1. Januar 1911. Original (abgerufen 11. 10. 2026)
  3. Nachschlagewerk
    The Catholic Encyclopedia, Bd. 14 (1912): Johann Tetzel, 1. Januar 1912. Original (abgerufen 11. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (2)
  • : Aktualisiert: Tatsachen
  • : Aufgenommen

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