Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
Person 1552-1623 · etwa 71 Jahre alt · im Zeitstrahl zeigen

Paolo Sarpi

Der venezianische Servit Paolo Sarpi verteidigte als theologischer Berater der Republik Venedig deren Rechte gegen Papst Paul V., der 1606 die Venezianer exkommunizierte und das Interdikt über ihr Gebiet verhängte. Seine Schrift gegen die weltliche Macht des Papstes kam sofort auf den Index. Nach dem Ende des Streits wurde Sarpi am 5. Oktober 1607 von einer Bande überfallen und schwer verletzt; die Täter flohen in den Kirchenstaat. Die Britannica sieht die römische Kurie dahinter und hält nur den Grad der Mitwisserschaft Pauls V. für offen, die Catholic Encyclopedia bestreitet ausreichende Belege für eine Beteiligung kirchlicher Gegner.

Lebensdaten
1552-1623 (etwa 71 Jahre alt)
Land
Italien, Vatikanstadt
Institutionen
Heiliger Stuhl
Republik Venedig
Servitenorden
Kategorie
Gewalt, Zensur
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?

Hintergrund

Ablauf

  1. Sarpi wurde am 14. August 1552 in Venedig geboren, trat mit dreizehn Jahren in den Servitenorden ein und starb im Januar 1623 in Venedig.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „was born at Venice, on the 14th of August 1552“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 13 (1912), Michael Ott, Einleitung
    „b. at Venice, 14 August, 1552; d. there 14 or 15 January, 1623“
    Paolo Sarpi, Einleitung. Original
  2. Am 5. Oktober 1607 wurde Sarpi von einer Bande Mörder überfallen und für tot liegen gelassen; die Wunden waren nicht tödlich. Die Täter fanden Zuflucht im Kirchenstaat. Ihr Anführer Poma erklärte, er habe aus Eifer für die Religion gehandelt. Sarpi soll zu seinem Chirurgen gesagt haben, er erkenne den Stil der römischen Kurie.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „On the 5th of October he was attacked by a band of assassins and left for dead, but the wounds were not mortal.“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „The bravos found a refuge in the papal territories.“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „“Agnosco stylum Curiae Romanae,” Sarpi himself pleasantly said“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original

Reaktion der Kirche

  1. Als 1606 Papst Paul V. die Venezianer exkommunizierte und ihr Gebiet mit dem Interdikt belegte, wurde Sarpi Kirchenrechtler und theologischer Berater der Republik. Seine anonyme Schrift, die die weltliche Autorität des Papstes grundsätzlich bestritt, wurde sofort auf den Index gesetzt. Das Interdikt blieb laut Catholic Encyclopedia vor allem wegen Sarpis Einfluss wirkungslos und wurde am 21. April 1607 aufgehoben.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „by Paul’s excommunication of the Venetians and his attempt to lay their dominions under an interdict“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „This book was promptly put upon the Index“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 13 (1912), Michael Ott, Lebenslauf
    „the interdict which Paul V placed upon Venice (1606) remained without effect and was revoked (21 April, 1607)“
    Paolo Sarpi, Lebenslauf. Original
  2. Zur Verantwortung widersprechen sich die Quellen. Laut Britannica ist die Bemerkung über den Stil der Kurie unbestreitbar zutreffend, offen sei nur der Grad der Mitwisserschaft Papst Pauls V.; Anschläge auf Sarpi seien auch später geplant worden. Die Catholic Encyclopedia schreibt, der Anschlag werde oft seinen kirchlichen Feinden zugeschrieben, es gebe aber keine ausreichenden Belege für deren Beteiligung.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „The only question can be as to the degree of complicity of Pope Paul V.“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „though plots against him continued to be formed“
    Sarpi, Paolo, Artikel. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 13 (1912), Michael Ott, Lebenslauf
    „is often ascribed to his ecclesiastical enemies, but there is not sufficient testimony for their complicity“
    Paolo Sarpi, Lebenslauf. Original

Siehe auch

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911): Sarpi, Paolo, 1. Januar 1911. Original (abgerufen 31.10.2026)
  2. Nachschlagewerk
    The Catholic Encyclopedia, Bd. 13 (1912), Michael Ott: Paolo Sarpi, 1. Januar 1912. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

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