Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
Person 1640-1696 · etwa 56 Jahre alt · im Zeitstrahl zeigen

Miguel de Molinos

Der spanische Priester Miguel de Molinos lebte als gefragter Seelenführer in Rom und veröffentlichte 1675 die Guida spirituale, die kirchlich gebilligt und vielfach aufgelegt wurde. Nach Angriffen von Jesuiten prüfte die Inquisition das Buch und sprach ihn frei. Auf Betreiben des französischen Botschafters Kardinal d'Estrées ließ das Heilige Offizium ihn im Mai 1685 verhaften. Am 3. September 1687 wurde er öffentlich als Ketzer verurteilt und zu lebenslanger Haft verurteilt; Innozenz XI. verdammte 68 Sätze und verbot alle seine Schriften. Molinos starb 1696 im Gefängnis. Zu den Vorwürfen sittlicher Verfehlungen widersprechen sich die Quellen.

Lebensdaten
1640-1696 (etwa 56 Jahre alt)
Land
Italien, Spanien, Vatikanstadt
Institutionen
Römische Inquisition
Heiliger Stuhl
Kategorie
Häresieverfahren, Zensur
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Seine Guida spirituale erschien 1675 in Rom, wurde von Theologen und kirchlicher Autorität gebilligt und erlebte in zwölf Jahren zwanzig Auflagen. Nachdem der Jesuit Segneri 1681 seine Lehre angegriffen hatte, prüfte die Inquisition das Buch, hielt es für rechtgläubig und tadelte den Eifer Segneris.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Schriften
    „approved by various theologians and by ecclesiastical authority, so much so that twenty editions appeared in twelve years“
    Miguel de Molinos, Schriften. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „It pronounced that the Guida spirituale was perfectly orthodox, and censured the intemperate zeal of Segneri.“
    Molinos, Miguel de, Artikel. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lebenslauf
    „He defended himself well and was acquitted“
    Miguel de Molinos, Lebenslauf. Original
  2. Auf Anweisung aus Paris zeigte der französische Botschafter in Rom, Kardinal d'Estrées, Molinos erneut an. Im Mai 1685 erhob das Heilige Offizium Anklage und ließ ihn verhaften. Die Britannica sieht dahinter die Jesuiten, die über den Beichtvater La Chaise Ludwig XIV. gewannen, der mit Innozenz XI. zerstritten war.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lebenslauf
    „In May, 1685, the Holy Office formulated charges against him and ordered his arrest.“
    Miguel de Molinos, Lebenslauf. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lebenslauf
    „acting on instructions from Paris, denounced him to the authorities“
    Miguel de Molinos, Lebenslauf. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „But the Jesuits set Father La Chaise to work on his royal penitent, Louis XIV.“
    Molinos, Miguel de, Artikel. Original
  3. Am 3. September 1687 wurde das Urteil in der Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva vor einer großen Menge verlesen, die mit Ablässen herbeigeholt worden war. Molinos wurde zum dogmatischen Ketzer erklärt und zu lebenslanger Haft im Bußgewand verurteilt. Innozenz XI. verurteilte mit der Bulle Coelestis Pastor vom 2. November 1687 68 Sätze und verbot alle seine gedruckten und handschriftlichen Werke. Mehr als zweihundert Menschen in Rom wurden in die Sache hineingezogen; die Inquisitionsverfahren gegen seine Anhänger in Italien dauerten bis ins 18. Jahrhundert.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lebenslauf
    „in the presence of an immense concourse of people gathered for the occasion by means of grants of indulgences“
    Miguel de Molinos, Lebenslauf. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lebenslauf
    „he was declared a dogmatic heretic, sentenced to life imprisonment, to be perpetually clothed in the penitential garb“
    Miguel de Molinos, Lebenslauf. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lebenslauf
    „Moreover, the pope prohibited and condemned all his works, printed or in manuscript.“
    Miguel de Molinos, Lebenslauf. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „On the 3rd of September 1687 he made public profession of his errors, and was sentenced to imprisonment for life.“
    Molinos, Miguel de, Artikel. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Wirkung
    „More than two hundred persons at Rome found themselves implicated in the affair“
    Miguel de Molinos, Wirkung. Original
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Wirkung
    „the inquisitorial proceedings in Italy lasted until the eighteenth century“
    Miguel de Molinos, Wirkung. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Molinos starb 1696 oder 1697 im Gefängnis.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „At some date unknown in 1696 or 1697 Molinos died in prison.“
    Molinos, Miguel de, Artikel. Original

Hintergrund

Ablauf

  1. Molinos wurde am 21. Dezember 1640 in Muniesa in Spanien geboren und starb am 28. Dezember 1696 in Rom.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Einleitung
    „born at Muniesa, Spain, 21 December, 1640; died at Rome, 28 December, 1696“
    Miguel de Molinos, Einleitung. Original

Reaktion der Kirche

  1. Zu sittlichen Vorwürfen widersprechen sich die Quellen. Die Catholic Encyclopedia schreibt, er habe in siebzehn Fällen unzüchtige Handlungen von Beichtkindern entschuldigt und eigene für nicht schuldhaft erklärt. Die Britannica schreibt nur, es sei das Gerücht aufgekommen, er sei sittlicher Ungeheuerlichkeiten überführt worden; danach sei klar gewesen, dass er verloren war.
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena, Lehre
    „In the cases of seventeen penitents he excused their lascivious acts“
    Miguel de Molinos, Lehre. Original
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel
    „A report got abroad that Molinos had been convicted of moral enormities, as well as of heretical doctrines; and it was seen that he was doomed.“
    Molinos, Miguel de, Artikel. Original

Siehe auch

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    The Catholic Encyclopedia, Bd. 10 (1911), Antonio Pérez Goyena: Miguel de Molinos, 1. Januar 1911. Original (abgerufen 31.10.2026)
  2. Nachschlagewerk
    Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911): Molinos, Miguel de, 1. Januar 1911. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

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