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1731 – 1732 · 1 Jahr · im Zeitstrahl zeigen

Vertreibung der Salzburger Protestanten 1731/32 durch Fürsterzbischof Firmian

Der Salzburger Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian, zugleich Landesherr, ordnete 1731 an, dass die nichtkatholische Bevölkerung sein Gebiet binnen einer Frist verlassen musste. 1731 und 1732 verließen nach Angaben der Britannica und der Catholic Encyclopedia etwa 30.000 Menschen das Land, nach Angaben des Deutschen Historischen Instituts etwa 20.000. Die meisten zogen in 26 Zügen nach Ostpreußen, wohin sie der preußische König eingeladen hatte.

Zeitraum
1731 – 1732 (1 Jahr)
Land
Österreich
Institutionen
Fürsterzbistum Salzburg
Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian
Kategorie
Enteignung, Verfolgung
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?
Personen
Leopold Anton von Firmian (Fürsterzbischof von Salzburg (reg. 1727–1744), ordnete die Vertreibung an)
Friedrich Wilhelm I. von Preußen (König, nahm die Vertriebenen in Ostpreußen auf)
Wolfgang Dietrich (Erzbischof von Salzburg (gest. 1611), ließ protestantische Bürger vertreiben)

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Die Zahl der Vertriebenen wird unterschiedlich angegeben: Nach der Encyclopaedia Britannica (1911) verlor Salzburg 1731 und 1732 etwa 30.000 Einwohner, davon etwa 6000 aus der Hauptstadt; nach der Catholic Encyclopedia verließen in zehn Jahren etwa 30.000 Menschen das Gebiet; das Deutsche Historische Institut nennt etwa 20.000 lutherische Protestanten.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource, Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte
    „in 1731 and 1732 Salzburg parted with about 30,000 industrious and peaceful citizens, about 6000 of these coming from the capital“
    Salzburg (city), Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte. Original
    Beleg: Catholic Encyclopedia (1913), Wikisource, Artikel Archdiocese of Salzburg
    „In ten years about 30,000 persons left the territory and settled in East Prussia, or in Wurtemberg or Hanoverian territory; a few emigrated to Georgia in North America.“
    Archdiocese of Salzburg, Artikel Archdiocese of Salzburg. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images, Kurzbeschreibung
    „Im Jahre 1731 vertrieb der Erzbischof von Salzburg, Leopold Anton Eleutherius Reichsfreiherr von Firmian (reg. 1727-1744) etwa 20.000 lutherische Protestanten aus seinem Herrschaftsgebiet“
    Auszug der Salzburger Protestanten und ihre Ansiedlung in Preußen im Jahre 1732 (1734), Kurzbeschreibung. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Grundlage war der Emigrationserlass von 1731 des Erzbischofs Firmian: Die nichtkatholische Bevölkerung Salzburgs musste das Land binnen einer gesetzten Frist verlassen. Der Erzbischof hatte zuvor Jesuiten als Missionare geholt und den Kaiser um Hilfe gebeten; dann setzte er den Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens durch: Widerruf oder Auswanderung.
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History Intersections, Kurzbeschreibung
    „Der Salzburger Erzbischof Leopold Anton von Firmian steht hinter dem sogenannten Emigrationserlass von 1731, laut dem die nichtkatholische Bevölkerung Salzburg binnen einer gegebenen Frist zu verlassen hatte.“
    Dialog zwischen einem Salzburger „Exulanten“ und einem Waldenser (1732), aus: Die Seufftzende Saltzburger, Magdeburg 1732, Kurzbeschreibung. Original
    Beleg: Catholic Encyclopedia (1913), Wikisource, Artikel Archdiocese of Salzburg
    „he invited the Jesuits as missionaries, and engaged the help of the emperor. Later he enforced the Decree of the religious Peace of Augsburg: recantation or emigration.“
    Archdiocese of Salzburg, Artikel Archdiocese of Salzburg. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Die Vertriebenen baten den preußischen König Friedrich Wilhelm I. um Hilfe. Er lud sie nach Ostpreußen ein, das durch Pest und Krieg entvölkert war. Zwischen April und Juli 1732 zogen sie in 26 Gruppen von je etwa 800 Menschen nach Preußen. Andere gingen nach Württemberg, ins Hannoversche oder nach Georgia in Nordamerika.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource, Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte
    „The Protestants invoked the aid of Frederick William I. of Prussia“
    Salzburg (city), Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images, Kurzbeschreibung
    „akzeptierten viele eine Einladung Friedrich Wilhelms I. von Preußen“
    Auszug der Salzburger Protestanten und ihre Ansiedlung in Preußen im Jahre 1732 (1734), Kurzbeschreibung. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images, Kurzbeschreibung
    „Zwischen April und Juli 1732 marschierten die Salzburger Protestanten in 26 Gruppen, von denen jede etwa 800 Personen umfasste, nach Preußen.“
    Auszug der Salzburger Protestanten und ihre Ansiedlung in Preußen im Jahre 1732 (1734), Kurzbeschreibung. Original
    Beleg: Catholic Encyclopedia (1913), Wikisource, Artikel Archdiocese of Salzburg
    „settled in East Prussia, or in Wurtemberg or Hanoverian territory; a few emigrated to Georgia in North America“
    Archdiocese of Salzburg, Artikel Archdiocese of Salzburg. Original
  2. Nach derselben Flugschrift waren die Pässe besetzt, Briefe wurden an den Grenzen geöffnet, und wer anderswo Hilfe suchte, wurde verhaftet und als Rebell behandelt.
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History Intersections, Quelle, Magdeburg 1732, S. 5f.
    „Alle Pässe sind besezet, daß neimand aus- oder einziehen kan. Alle Briefe werden an den Gräntzen erbrochen, welche aus- oder eingehen.“
    Dialog zwischen einem Salzburger „Exulanten“ und einem Waldenser (1732), aus: Die Seufftzende Saltzburger, Magdeburg 1732, Quelle, Magdeburg 1732, S. 5f.. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History Intersections, Quelle, Magdeburg 1732, S. 5f.
    „Alle Personen werden gefangen genommen, und als Rebellen angesehen, die an andern Orten Hülffe suchen wollen“
    Dialog zwischen einem Salzburger „Exulanten“ und einem Waldenser (1732), aus: Die Seufftzende Saltzburger, Magdeburg 1732, Quelle, Magdeburg 1732, S. 5f.. Original

Zeugenberichte und Akten

Zeitzeuge Flugschrift „Die Seufftzende Saltzburger“, Magdeburg 1732: ein Vertriebener erzählt

Wir werden vor dem gesezten Termin ausgetrieben, der uns doch in denen Reichs-Gesetzen mit ausdrücklichen Worten bestimmet ißt. Wir durfften dasjenige nicht mit uns nehmen, was uns doch als unser Eigenthum gehöret.

Deutsches Historisches Institut Washington, German History Intersections: Dialog zwischen einem Salzburger „Exulanten“ und einem Waldenser (1732), aus: Die Seufftzende Saltzburger, Magdeburg 1732, Magdeburg 1732, S. 5f.. Original

Hintergrund

Ablauf

  1. Vertreibungen hatte es in Salzburg schon früher gegeben: Unter Erzbischof Wolf Dietrich (gest. 1611) wurden viele protestantische Bürger aus der Stadt vertrieben und ihre Häuser abgerissen. Trotz harter Verfolgung breitete sich der neue Glaube weiter aus.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource, Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte
    „Under Archbishop Wolfgang Dietrich (d. 1611) many Protestant citizens were driven from the town and their houses demolished. In spite, however, of rigorous persecution the new faith spread“
    Salzburg (city), Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte. Original
  2. Eine evangelische Kirche wurde in der Stadt Salzburg erst 1865 gebaut.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource, Artikel Salzburg (city)
    „Protestant church in Salzburg was not built until 1865“
    Salzburg (city), Artikel Salzburg (city). Original

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Salzburg war nach der Britannica von Anfang an eine Hochburg des römisch-katholischen Glaubens und bekämpfte die Reformation energisch. Nach der Catholic Encyclopedia breiteten sich unter Firmian protestantische Neigungen stärker aus als zuvor; die Lutheraner im Land schlossen sich durch Eid zu einem Bund zusammen. Der Erzbischof holte Jesuiten als Missionare und setzte schließlich „Widerruf oder Auswanderung“ durch.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource, Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte
    „From the beginning an orthodox stronghold of the Roman Catholic faith, Salzburg energetically opposed the Reformation.“
    Salzburg (city), Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte. Original
    Beleg: Catholic Encyclopedia (1913), Wikisource, Artikel Archdiocese of Salzburg
    „Protestant tendencies revealed themselves more vigorously than before“
    Archdiocese of Salzburg, Artikel Archdiocese of Salzburg. Original
    Beleg: Catholic Encyclopedia (1913), Wikisource, Artikel Archdiocese of Salzburg
    „the Lutherans of the Salzburg territory formed a league, binding themselves by oath“
    Archdiocese of Salzburg, Artikel Archdiocese of Salzburg. Original

Wer bekam das Vermögen, wer profitierte?

  1. Nach der Britannica erwirkte der preußische König für die Vertriebenen die Erlaubnis, ihre Güter zu verkaufen. Eine Flugschrift aus dem Jahr 1732 lässt dagegen einen Vertriebenen klagen, sie hätten ihr Eigentum nicht mitnehmen dürfen und seien vor der reichsrechtlich bestimmten Frist ausgetrieben worden.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource, Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte
    „who procured for them permission to sell their goods and to emigrate“
    Salzburg (city), Artikel Salzburg (city), Abschnitt Geschichte. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Institut Washington, German History Intersections, Quelle, Magdeburg 1732, S. 5f.
    „Wir durfften dasjenige nicht mit uns nehmen, was uns doch als unser Eigenthum gehöret.“
    Dialog zwischen einem Salzburger „Exulanten“ und einem Waldenser (1732), aus: Die Seufftzende Saltzburger, Magdeburg 1732, Quelle, Magdeburg 1732, S. 5f.. Original

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Historische Quelle (zeitgenössische Schrift)
    Deutsches Historisches Institut Washington, German History Intersections: Dialog zwischen einem Salzburger „Exulanten“ und einem Waldenser (1732), aus: Die Seufftzende Saltzburger, Magdeburg 1732, 1. Januar 1732. Original (abgerufen 15. 10. 2026)

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 24 (1911), Wikisource: Salzburg (city), 1. Januar 1911. Original (abgerufen 15. 10. 2026)
  2. Nachschlagewerk
    Catholic Encyclopedia (1913), Wikisource: Archdiocese of Salzburg, 1. Januar 1913. Original (abgerufen 15. 10. 2026)
  3. Fachliteratur
    Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images: Auszug der Salzburger Protestanten und ihre Ansiedlung in Preußen im Jahre 1732 (1734). Original (abgerufen 15. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (2)
  • : Aktualisiert: Tatsachen
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 15. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.