Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
1939 – 1945 · 6 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Zwangsarbeiter in katholischen Einrichtungen im Deutschen Reich 1939–1945

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten in mindestens 776 katholischen Einrichtungen im Gebiet des heutigen Deutschland Zwangsarbeiter: in Krankenhäusern, Heimen, auf Klosterhöfen und in Pfarrökonomien. Nachweisbar sind 5.904 Menschen, 4.829 zivile Zwangsarbeiter und 1.075 Kriegsgefangene, meist junge Männer und Frauen, die aus Polen, der Ukraine und der Sowjetunion verschleppt worden waren. Die Kirche befasste sich damit erst ab 2000, nach einem Fernsehbericht; die Bischöfe richteten einen Entschädigungsfonds ein, aus dem 587 Überlebende je 5.000 DM erhielten. Die Gesamtdokumentation der Bischofskonferenz erschien 2008.

Zeitraum
1939 – 1945 (6 Jahre)
Bericht veröffentlicht
8. April 2008
Land
Deutschland
Institutionen
Katholische Krankenhäuser
Heime und Klöster
Deutsche Bischofskonferenz
Kommission für Zeitgeschichte
Kategorie
Eingeständnis, Zwangsarbeit
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Zwischen 1939 und 1945 sind in 776 katholischen Einrichtungen 5.904 Zwangsarbeiter durch Quellen nachgewiesen: 4.829 zivile Arbeiter und 1.075 Kriegsgefangene. Die genaue Gesamtzahl lässt sich nicht mehr ermitteln.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 2
    „1945 sind in 776 katholischen Einrichtungen insgesamt 5.904 Zwangsarbeiter quellenmäßig“
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 2. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 2
    „Die exakte Gesamtzahl wird“
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 2. Original
  2. Die meist jungen Männer und Frauen waren überwiegend aus Polen, der Ukraine und der Sowjetunion verschleppt worden. Sie arbeiteten in Krankenhäusern, Heimen, auf Klosterhöfen und in Pfarrökonomien, in Land- und Forstwirtschaft, Hauswirtschaft und Garten.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Lehmann
    „Die überwiegend jungen Männer und Frauen, die hauptsächlich aus Polen, der Ukraine und der Sowjetunion zum Arbeitseinsatz für das Deutsche Reich verschleppt worden waren“
    Statement von Karl Kardinal Lehmann bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018a, Statement Lehmann. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Lehmann
    „u. a. in Krankenhäusern, Heimen, auf Klosterhöfen und Pfarrökonomien“
    Statement von Karl Kardinal Lehmann bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018a, Statement Lehmann. Original
  3. Für die heute in Polen liegenden Teile des Erzbistums Breslau und des Bistums Ermland waren keine Archivrecherchen möglich; Zwangsarbeiter von dort sind nur erfasst, wenn sie sich selbst gemeldet haben.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 2
    „keine Archivrecherchen“
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 2. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Am 29. August 2000 beschlossen die Bischöfe einen Entschädigungs- und einen Versöhnungsfonds mit je 5 Millionen DM. Von 4.519 namentlich bekannten Personen wurden 1.417 als verstorben oder lebend ermittelt; 587 Überlebende erhielten bis Ende 2004 je 5.000 DM. Insgesamt zahlte der Entschädigungsfonds 1.501.960 Euro aus.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Daten, Chronologie
    „Einrichtung eines kirchlichen Entschädigungs- und“
    Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“: Daten, Pressemitteilung 018d, Daten, Chronologie. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Daten, Zahlen
    „Davon als verstorben oder noch lebend ermittelt 1.417“
    Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“: Daten, Pressemitteilung 018d, Daten, Zahlen. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Daten, Zahlen
    „Auszahlungen in Höhe von 5.000 DM (bis 31.12.2004) 587“
    Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“: Daten, Pressemitteilung 018d, Daten, Zahlen. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Daten, Zahlen
    „Aus dem Entschädigungsfonds ausbezahlte Mittel 1.501.960 €“
    Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“: Daten, Pressemitteilung 018d, Daten, Zahlen. Original
  2. Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der Bischofskonferenz, räumte 2008 ein, auch die Erinnerung der katholischen Kirche sei allzu lange blind gewesen für das Schicksal der zur Zwangsarbeit verschleppten Männer, Frauen, Jugendlichen und Kinder.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Lehmann
    „auch die Erinnerung der katholischen Kirche allzu lange blind war für das Schicksal und die Leiden der aus ganz Europa zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppten Männer, Frauen, Jugendlichen und Kinder“
    Statement von Karl Kardinal Lehmann bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018a, Statement Lehmann. Original

Hintergrund

Wer bekam das Vermögen, wer profitierte?

  1. Zahlreiche Klöster schlossen im Krieg Mietverträge mit der Wehrmacht über sogenannte „Unternehmerlazarette“; die Wehrmacht bezahlte die vertraglich festgelegten Leistungen zuverlässig. Spendengelder des Päpstlichen Missionswerks wurden in die Ausstattung solcher Lazarette gesteckt und so laut der Kommission für Zeitgeschichte in Sachwerten „geparkt“.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 3
    „Zahlreiche Klöster schlossen in den Kriegsjahren vorbeugend Mietverträge mit der Wehrmacht ab“
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 3. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 3
    „Die Leistungen wurden vertraglich festgelegt und von der Wehrmacht zuverlässig bezahlt“
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 3. Original
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 3
    „Die Gelder wurden auf diese Weise in materiellen Werten „geparkt““
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 3. Original

Reaktion der Kirche

  1. Die Kirche befasste sich mit dem Thema erst, nachdem das WDR-Magazin „Monitor“ am 20. Juli 2000 über Zwangsarbeiter in katholischen Einrichtungen berichtet hatte.
    Beleg: Deutsche Bischofskonferenz, Statement Hummel, S. 1
    „Beitrag vom 20. Juli 2000 über die Beschäftigung von Zwangsarbeitern in“
    Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, Statement Hummel, S. 1. Original

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kirchliches Dokument
    Deutsche Bischofskonferenz: Statement von Dr. Karl-Joseph Hummel (Kommission für Zeitgeschichte) bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018b, 8. April 2008. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
  2. Kirchliches Dokument
    Deutsche Bischofskonferenz: Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“: Daten, Pressemitteilung 018d, 8. April 2008. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
  3. Kirchliches Dokument
    Deutsche Bischofskonferenz: Statement von Karl Kardinal Lehmann bei der Präsentation der Gesamtdokumentation „Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945“, Pressemitteilung 018a, 8. April 2008. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 12. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.