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1945 – 2020 · 75 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Sexueller Missbrauch durch Kleriker im Bistum Münster (Studie der Universität Münster)

Historiker der Universität Münster ermittelten für das Bistum Münster seit 1945 196 beschuldigte Kleriker, darunter 183 Priester, und 610 minderjährige Betroffene. Das entspricht 4,17 % aller Priester des Bistums. Das Dunkelfeld ist laut Studie vermutlich bis zu zehnmal größer. Etwa 90 % der Beschuldigten blieben ohne strafrechtliche Folgen. Die Studie spricht vom Versagen der Bistumsleitungen und nennt als katholische Ermöglichungsbedingungen die Macht des „heiligen Mannes“ und die Vertuschung auch durch Laien.

Zeitraum
1945 – 2020 (75 Jahre)
Bericht veröffentlicht
13. Juni 2022
Land
Deutschland
Institutionen
Bistum Münster
Kategorie
Sexueller Missbrauch, Vertuschung
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Die Studie zählt 196 beschuldigte Kleriker (183 Priester, ein Ständiger Diakon, 12 Ordensbrüder) und 610 Betroffene. Die beschuldigten Priester sind 4,17 % aller Priester des Bistums von 1945 bis 2020. Bei etwa 40 % der Beschuldigten gibt es Hinweise auf mehr als ein Opfer.
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 3
    „196 beschuldigte Kleriker (183 Priester, ein Ständiger Diakon, 12 Ordensbrüder)“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 3. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 3
    „610 Betroffene des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker des Bistums Münster“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 3. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 3
    „Die Anzahl der beschuldigten Priester entspricht 4,17% aller Priester im Bistum Münster (1945-2020)“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 3. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 3
    „In etwa 40% der Beschuldigten liegen Hinweise auf den Missbrauch von mehr als einer Person vor“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 3. Original
  2. Das Dunkelfeld ist laut Studie vermutlich bis zu zehnmal größer, mit Tausenden Einzelfällen (Schätzung). Etwa 75 % der Betroffenen waren männlich, die meisten zwischen 10 und 14 Jahre alt. Die Täter nutzten meist die enge Kirchenbindung der Kinder.
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 5
    „Dunkelfeld vermutlich bis zu zehnmal größer: Tausende Einzelfälle“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 5. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 5
    „Die Betroffenen waren zu etwa 75% männlich, zu ca. 25% weiblich“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 5. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 5
    „Die Altersverteilung weist einen Schwerpunkt zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr auf“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 5. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 5
    „Die Anbahnung der Tat erfolgte zumeist über die enge Kirchenbindung der Betroffenen“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 5. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Etwa 90 % der Beschuldigten blieben ohne strafrechtliche Konsequenzen.
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 3
    „Etwa 90% der Beschuldigten blieben ohne strafrechtliche Konsequenzen“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 3. Original

Hintergrund

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Als spezifisch katholische Bedingungen, die Missbrauch ermöglichten, nennt die Studie die klerikale Macht des „heiligen Mannes“, das Leitungsversagen der Hierarchie, die durch die katholische Sexualmoral geförderte Bigotterie und Vertuschung auch unter Laien.
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 20
    „Klerikale Pastoralmacht des „heiligen Mannes““
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 20. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 20
    „die von der katholischen Sexualmoral provozierte Bigotterie“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 20. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 20
    „Vertuschung auch unter Laien: „Klerikalismus“ der Basis“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 20. Original

Reaktion der Kirche

  1. Die Studie untersucht das Versagen der Bistumsleitungen unter den Bischöfen Keller, Höffner, Tenhumberg, Lettmann und Genn. Eine kircheninterne Aufarbeitung begann erst 2002; die 2010 eingesetzte Kommission kündigte ihren Rücktritt an.
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folien 11 bis 16
    „2. Das Versagen der Bistumsleitungen“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folien 11 bis 16. Original
    Beleg: Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster), Folie 18
    „Die Kommission kündigt ihren Rücktritt an“
    Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, Folie 18. Original

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt (Universität Münster): Macht und sexueller Missbrauch im Bistum Münster. Präsentation der Studienergebnisse, 13. Juni 2022, 13. Juni 2022. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 12. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.