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1945 – 2023 · 78 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Bistum Osnabrück und Erzbistum Hamburg, Studie der Universität Osnabrück zu sexualisierter Gewalt seit 1945 (2024)

Ein Forschungsprojekt der Universität Osnabrück ermittelte 2024 für das Bistum Osnabrück seit 1945 122 Priester und Diakone, die sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige oder schutzbedürftige Erwachsene beschuldigt werden, rund 4 Prozent aller Kleriker; 45 davon gehören zum 1995 abgetrennten Teil, dem heutigen Erzbistum Hamburg. Zugeordnet werden konnten 349 Betroffene, insgesamt ist von über 400 auszugehen. Das Bistum verletzte lange seine Pflicht, gegen gefährliche Kleriker vorzugehen, und bis in die jüngste Vergangenheit seine Pflicht, den Betroffenen zu helfen.

Zeitraum
1945 – 2023 (78 Jahre)
Bericht veröffentlicht
1. Januar 2024
Land
Deutschland
Institutionen
Bistum Osnabrück
Erzbistum Hamburg
Kategorie
Sexueller Missbrauch, Vertuschung
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Den 122 beschuldigten Klerikern lassen sich Taten an 349 identifizierbaren Betroffenen zuordnen; konkrete Hinweise gibt es auf mehr als 60 weitere, so dass von über 400 Betroffenen auszugehen ist. Die Dunkelziffer ist unbekannt. Etwa 60 Prozent der zugeordneten Betroffenen waren männlich, 25 Prozent weiblich.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 6 (PDF-S. 1)
    „Den 122 Beschuldigten lassen sich Taten an 349 identifizierbaren Betroffenen zuordnen. Überdies gibt es konkrete Hinweise auf mehr als 60 weitere Betroffene, so dass von über 400 Betroffenen auszugehen ist.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 6 (PDF-S. 1). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Teil Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Abschnitt Geschlecht
    „Von den insgesamt 349 Betroffenen sind etwa 60% dem männlichen und 25% dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Teil Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Abschnitt Geschlecht. Original · Archivkopie

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Ermittelt wurden 122 beschuldigte Priester und Diakone, 4,1 Prozent der rund 3000 seit 1945 in der Seelsorge eingesetzten Kleriker; zu Projektbeginn 2021 waren etwa 80 bekannt. 45 von ihnen entfallen auf den Teil des Bistums, der 1995 zum Erzbistum Hamburg wurde.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2)
    „beträgt 4,1% (122 von ca. 3.000 Klerikern)“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 6 (PDF-S. 1)
    „Zu Beginn des Projekts im Jahr 2021 waren ca. 80 Beschuldigte bekannt.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 6 (PDF-S. 1). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, S. 9 (PDF-S. 4)
    „45 dieser Beschuldigten entfallen auf den Teil des Bistums, der 1995 abgespalten und zum Erzbistum Hamburg wurde.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, S. 9 (PDF-S. 4). Original · Archivkopie
  2. Kirchenrechtliche Verfahren gab es nur gegen 32 der 122 Beschuldigten, insgesamt 36 Voruntersuchungen; gegen 90 Beschuldigte wurde nie ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Kap. 5, S. 131 (PDF-S. 45)
    „Nur gegen 32 von den 122 Beschuldigten wurden kirchenrechtliche Verfahren geführt“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Kap. 5, S. 131 (PDF-S. 45). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Kap. 5, S. 131 (PDF-S. 45)
    „Gegen 90 der 122 Beschuldigten wurde also nie ein kirchenrechtliches“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Kap. 5, S. 131 (PDF-S. 45). Original · Archivkopie

Hintergrund

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Als Ursachen nennt die Studie Machtstrukturen, Organisationsmängel und Fehlverhalten auf allen Ebenen, dazu sprachliche Umdeutungen: Beschuldigte stellten ihre Taten als harmlos oder sogar als Teil ihrer priesterlichen Aufgaben dar, die Bistumsleitungen gaben sich oft damit zufrieden, und Beschuldigte konnten weitere Taten begehen. Konsequent gehandelt wurde häufig erst, wenn die Taten zu offensichtlich oder der öffentliche Druck zu groß wurde.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2)
    „Machtstrukturen, Organisationsmängel und Fehlverhalten auf allen Ebenen kirchlicher Tätigkeit“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7–8 (PDF-S. 2–3)
    „Sprachliche Umdeutungen sexualisierter Gewalt ermöglichten es den Beschuldigten, ihr Handeln zu verbergen, zu verharmlosen oder als Teil ihrer“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7–8 (PDF-S. 2–3). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 8 (PDF-S. 3)
    „Beschuldigte konnten dadurch weitere Taten begehen. Konsequente Maßnahmen wurden häufig erst unternommen, wenn die Taten zu offensichtlich waren, der öffentliche Druck zu groß wurde“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 8 (PDF-S. 3). Original · Archivkopie

Wer bekam das Vermögen, wer profitierte?

  1. Die Betroffenen stellten insgesamt 116 Anträge auf finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids, einige mehrfach. Besonders im Verhalten und in der Entschädigungspraxis gegenüber Betroffenen sah die Studie Defizite, deren Behebung noch nicht beurteilt werden kann.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 6 (PDF-S. 1)
    „Insgesamt haben die Betroffenen 116 Anträge auf finanzielle Entschädigung in Anerkennung des Leids gestellt, einige davon mehrfach.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 6 (PDF-S. 1). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2)
    „besonders im Verhalten und der Entschädigungspraxis gegenüber Betroffenen“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2). Original · Archivkopie
  2. Nach Angaben des Bistums zahlte Osnabrück bis Mai 2024 insgesamt 857.000 Euro im Verfahren zur Anerkennung des Leids (bis Ende 2023 laut UKA 847.000 Euro). Das Erzbistum Hamburg, das 1995 aus Teilen des Bistums gebildet wurde, zahlte bis Ende 2023 insgesamt 1.105.415,55 Euro.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Kap. 4, S. 131 (PDF-S. 45)
    „insgesamt 857.000 € an Betroffene im Rahmen des Verfahrens zur Anerkennung des erlittenen Leids gezahlt“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Kap. 4, S. 131 (PDF-S. 45). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Kap. 4, S. 131 (PDF-S. 45), Anm. 180
    „Bis Ablauf des Jahres 2023 wurden 847.000€ gezahlt“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Kap. 4, S. 131 (PDF-S. 45), Anm. 180. Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Kap. 4, S. 131 (PDF-S. 45)
    „Das Erzbistum Hamburg hat angegeben, bis zum 31. Dezember 2023 insgesamt 1.105.415,55 € im Rahmen des Verfahrens zur Anerkennung des erlittenen Leids gezahlt zu haben.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, Kap. 4, S. 131 (PDF-S. 45). Original · Archivkopie

Reaktion der Kirche

  1. Das Bistum Osnabrück verletzte über lange Zeit erheblich seine Pflicht, gegen gefährliche Kleriker vorzugehen, und bis in die jüngste Vergangenheit seine Pflicht, den Betroffenen zu helfen. Für das Erzbistum Hamburg zeigte sich an wenigen Fällen ein ähnliches Bild; dort blieb etwa offen, ob die Pflicht zur Strafanzeige immer erfüllt wurde.
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2)
    „Der Befund war, dass das Bistum Osnabrück seine Pflichten, Maßnahmen gegen gefährliche Kleriker zu ergreifen, über lange Zeit erheblich verletzt, in der jüngsten Zeit jedoch überwiegend erfüllt hatte. Hingegen hatte das Bistum Osnabrück die Pflicht, den Betroffenen zu helfen, über lange Zeit in erheblichem Maße bis in die jüngste Vergangenheit verletzt.“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Kernergebnisse, S. 7 (PDF-S. 2). Original · Archivkopie
    Beleg: Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück, Ergebniszusammenfassung, Abschnitt Pflichten und Pflichtverletzungen, S. 16 (PDF-S. 11)
    „ob die Pflicht zur Erstattung einer Strafanzeige in allen Fällen erfüllt worden ist“
    Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, Ergebniszusammenfassung, Abschnitt Pflichten und Pflichtverletzungen, S. 16 (PDF-S. 11). Original · Archivkopie

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück: Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung. Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück seit 1945, Abschlussbericht: Ergebniszusammenfassung, 1. Januar 2024. Original · Archivkopie (abgerufen 15. 10. 2026)
  2. Kommissionsbericht
    Universität Osnabrück, Forschungsprojekt im Auftrag des Bistums Osnabrück: Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung, Abschlussbericht: Betroffene, Beschuldigte und Taten in Zahlen, 1. Januar 2024. Original · Archivkopie (abgerufen 15. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (2)
  • : Aktualisiert: Tatsachen
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 16. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.