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1945-2013 · 68 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Diözese Rottenburg-Stuttgart 1945 bis 2013: Kommissionsbericht nennt 76 beschuldigte Priester und Diakone und 170 mutmaßliche Opfer; die Diözese selbst zeigte nur einen Fall bei der Staatsanwaltschaft an

Bischof Gebhard Fürst berief 2002 eine Kommission sexueller Missbrauch. Ihr Bericht, zuletzt aktualisiert am 31. Dezember 2013, führt 76 beschuldigte Priester und Diakone im Dienst der Diözese seit 1945 auf und 170 mutmaßliche Opfer, 130 männliche und 40 weibliche; bei 13 Beschuldigungen hielt die Kommission die Vorwürfe für unbegründet. Seit 2002 ermittelte die Staatsanwaltschaft in 25 Fällen, nur einen davon hatte die Diözese selbst angezeigt. Zehn Verfahren endeten mit Strafen. Aus der Zeit vor 1964 stammen Hinweise in einer Akte des Domkapitulars Alfons Hufnagel. Bischof Fürst begrüßte 2010 öffentlich, dass die Bundesjustizministerin von einer generellen Anzeigepflicht bei Missbrauchsverdacht abrückte.

Zeitraum
1945-2013 (68 Jahre)
Bericht veröffentlicht
31. Dezember 2013
Land
Deutschland
Institutionen
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Kommission sexueller Missbrauch
Kategorie
Sexueller Missbrauch
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Der Kommission waren 76 beschuldigte Priester und Diakone im Dienst der Diözese bekannt. Aus den Unterlagen sind seit 1945 170 Personen als mutmaßliche Opfer bekannt, 130 männliche und 40 weibliche; bei 13 Beschuldigungen gelten die Vorwürfe nach sorgfältiger Ermittlung als nicht begründet. Unter den Opfern waren auch Menschen, die von Laien im kirchlichen Dienst und von Ordensschwestern missbraucht wurden.
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.1.4, S. 36
    „Der Kommission bekannte beschuldigte Priester und Diakone im Dienst der Diözese“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.1.4, S. 36. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.1.4, S. 36
    „Insgesamt 76“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.1.4, S. 36. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.2.4, S. 40
    „170 Personen (130 männl./40 weibl.)“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.2.4, S. 40. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.2.4, S. 40
    „Bei 13 der Beschuldigungen müssen die Vorwürfe auch nach sorgfältigster Ermittlung als nicht begründet betrachtet werden.“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.2.4, S. 40. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.2.1.5, S. 39
    „Opfer von sexuellen Übergriffen durch Ordensschwestern“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.2.1.5, S. 39. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Bischof Gebhard Fürst berief im Oktober 2002 die unabhängige Kommission sexueller Missbrauch der Diözese. Ihr Bericht umfasst Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, die dokumentierten Vorgänge reichen bis 1945 zurück.
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Wechsel im Vorsitz, S. 5
    „Gebhard Fürst im Oktober 2002 berufenen unabhängigen Kommission sexueller Missbrauch“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, Wechsel im Vorsitz, S. 5. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Titelblatt
    „Die dokumentierten Vorgänge reichen zurück bis 1945“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, Titelblatt. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Bis Ende 2013 lagen der Kommission 85 Anträge auf finanzielle Anerkennung des erlittenen Leids vor; in 74 Fällen hatte die Diözese gezahlt.
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, I.2.1.1 Hilfen
    „Derzeit liegen der KsM 85 Anträge auf finanzielle Anerkennung des erlittenen Leids vor.“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, I.2.1.1 Hilfen. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, I.2.1.1 Hilfen
    „Die Auszahlung der finanziellen Zuwendung durch die Diözese erfolgte bislang in insgesamt 74 Fällen.“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, I.2.1.1 Hilfen. Original

Hintergrund

Reaktion der Kirche

  1. Von den Fällen seit 2002 brachte die Diözese selbst nur einen bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige; in 24 Fällen ermittelte die Staatsanwaltschaft aufgrund anderer Anzeigen oder aus eigener Initiative. 15 Verfahren wurden eingestellt, zehn endeten mit Strafen, darunter sieben Haftstrafen, zum Teil zur Bewährung. Im Mai 2010 begrüßte Bischof Fürst laut Pressemitteilung die Abkehr der Bundesjustizministerin von einer generellen Anzeigepflicht bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch.
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, I.2.2.3 Verfahren
    „1 Fall wurde durch die Diözese bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht (in 24 Fällen ermittelte die Staatsanwaltschaft aufgrund von anderweitigen Anzeigen oder aus eigener Initiative)“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, I.2.2.3 Verfahren. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, I.2.2.3 Verfahren
    „10 Verfahren endeten mit strafrechtlichen Sanktionen (7 Haftstrafen, z. T. zur Bewährung ausgesetzt; 3 Strafbefehle)“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, I.2.2.3 Verfahren. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, I.1.6.1 Pressearbeit
    „Bischof Fürst begrüßt Abkehr der Bundesjustizministerin von einer generellen Anzeigepflicht bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, I.1.6.1 Pressearbeit. Original
  2. Auf den langjährigen Strafvollzugsreferenten des Bischöflichen Ordinariats, Domkapitular Alfons Hufnagel (1899 bis 1975), geht eine Akte mit Hinweisen auf beschuldigte Priester zurück. Sie nennt 18 Betroffene; über kirchliche Verfahren und Sanktionen ist darin nichts bekannt. Zu weiteren zehn Jungen, an denen vor 1964 mutmaßlich Übergriffe verübt wurden, sind weder Alter noch Einzelheiten bekannt.
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.1.3 Die Hufnagel-Akten, S. 36
    „den langjährigen Strafvollzugsreferent des Bischöflichen Ordinariats, geht eine Akte zurück“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.1.3 Die Hufnagel-Akten, S. 36. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.2.3 Die Hufnagel-Akten, S. 40
    „18 Personen (16 männl./2 weibl).“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.2.3 Die Hufnagel-Akten, S. 40. Original
    Beleg: Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, II.2.3 Die Hufnagel-Akten, S. 40
    „Im Fall von weiteren zehn Jungen, an denen mutmaßlich in der Zeit vor 1964 sexuelle Übergriffe verübt wurden, sind weder das Alter noch nähere Einzelheiten bekannt.“
    Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, II.2.3 Die Hufnagel-Akten, S. 40. Original

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Markus Grübel (Vorsitzender), im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Bericht der Kommission sexueller Missbrauch, Oktober 2002 bis 31. Dezember 2013, 31. Dezember 2013. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (2)
  • : Aktualisiert: Tatsachen, Englische Übersetzung
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.