1950 – 2022 · 72 Jahre
· im Zeitstrahl zeigen
Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche der Schweiz (Pilotstudie Universität Zürich)
Historikerinnen und Historiker der Universität Zürich fanden in einem Jahr in kirchlichen Archiven 1.002 Fälle sexuellen Missbrauchs seit 1950, mit 510 Beschuldigten und 921 Betroffenen, nach eigener Aussage nur die Spitze des Eisbergs. Drei Viertel der Fälle betrafen Minderjährige, vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen. Bis in die 2000er Jahre ignorierten, verschwiegen oder verharmlosten Verantwortliche der Kirche Missbrauch meist, versetzten Beschuldigte und verpflichteten Betroffene zum Schweigen. In mindestens zwei Diözesen wurden Akten nachweislich vernichtet; die Nuntiatur verweigerte den Zugang zu ihrem Archiv.
- Zeitraum
- 1950 – 2022 (72 Jahre)
- Bericht veröffentlicht
- 12. September 2023
- Land
- Schweiz
- Institutionen
- Katholische Kirche in der Schweiz
Schweizer Bischofskonferenz
Ordensgemeinschaften - Kategorie
- Sexueller Missbrauch, Vertuschung
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Das Pilotprojekt identifizierte 1.002 Fälle mit 510 Beschuldigten und 921 Betroffenen, deutlich mehr, als die Kirche bisher öffentlich genannt hatte. 149 Beschuldigten konnten zwei oder mehr Betroffene zugeordnet werden. Die Forschenden sprechen von der Spitze des Eisbergs, weil viele Archive noch nicht ausgewertet waren.
Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 7 Fazit, PDF-S. 109
„Im Rahmen des Pilotprojekts konnten 1’002 Fälle sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche seit 1950 mit 510 Beschuldigten und 921 Betroffenen identifiziert werden – deutlich mehr Fälle, als von der Kirche bislang öffentlich kommuniziert wurden.“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 7 Fazit, PDF-S. 109. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15
„149 beschuldigten Personen konnten zwei oder mehr Betroffene zugeordnet werden“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15
„Bei den darin identifizierten Fällen handelt es sich zweifelsfrei nur um die Spitze des Eisbergs“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15. Original - 74 % der Fälle betrafen Minderjährige, vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen, 14 % Erwachsene. 39 % der Betroffenen waren weiblich, knapp 56 % männlich; die Beschuldigten waren bis auf wenige Ausnahmen Männer. Knapp 22 % der Fälle ereigneten sich in den 1950er, über 25 % in den 1960er Jahren, 12 % noch zwischen 2000 und 2022.
Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15
„zeugten 74 % von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen, wobei das gesamte Altersspektrum vertreten war: von Missbrauch an Säuglingen und vorpubertären Kindern bis hin zu postpubertären jungen Erwachsenen. 14 % der Missbräuche betrafen erwachsene Personen“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15
„In 39 % der Fälle war die betroffene Person weiblichen Geschlechts, in knapp 56 % der Fälle männlich“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 14
„Knapp 22 % der ausgewerteten Fälle ereigneten sich zwischen 1950 und 1959 und über 25 % zwischen 1960 und 1969.“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 14. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 14
„Von 2000 bis 2022 fanden schliesslich noch 12 % der Fälle statt.“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 14. Original
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Das kirchliche Recht neben dem staatlichen begünstigte die Vertuschung. Die Vorschriften zum Geheimarchiv mit regelmäßiger Aktenvernichtung führten dazu, dass Akten vernichtet wurden; für zwei Diözesen ist das belegt. Die Apostolische Nuntiatur lehnte eine Einsicht in ihre Archive ab.
Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 7 Fazit, PDF-S. 110
„Die Existenz eines kirchlichen Rechts parallel zum weltlichen Recht beförderte diese Vertuschung und Verschleierung noch.“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 7 Fazit, PDF-S. 110. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15
„Für zwei Diözesen kann die Vernichtung von Akten belegt werden“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 1 Einleitung, PDF-S. 15. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 7 Fazit, PDF-S. 109
„Eine Anfrage zur Einsicht in die Archive der Apostolischen Nuntiatur der Schweiz wurde abschlägig beantwortet“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 7 Fazit, PDF-S. 109. Original
Hintergrund
Reaktion der Kirche
- Verantwortliche der Kirche ignorierten, verschwiegen oder verharmlosten Missbrauch bis in die 2000er Jahre in den meisten Fällen. Wenn sie handeln mussten, schützten sie meist Täter, Institution und eigene Position. Beschuldigte wurden versetzt, Betroffene und Mitwissende zum Schweigen verpflichtet; weitere Fälle wurden so in Kauf genommen.
Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 7 Fazit, PDF-S. 110
„So wurde deutlich, dass Verantwortliche der Kirche sexuellen Missbrauch bis in die 2000er Jahre hinein in den meisten der ausgewerteten Fälle ignorierten, verschwiegen oder bagatellisierten. Wenn sie zum Handeln gezwungen waren, taten sie dies häufig nicht mit Blick auf die Betroffenen, sondern zum Schutz der Täterinnen und Täter, der Institution und der eigenen Position.“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 7 Fazit, PDF-S. 110. Original Beleg: Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS, Kap. 7 Fazit, PDF-S. 110
„In vielen Fällen wurde sexueller Missbrauch «ausgesessen», Beschuldigte versetzt sowie Betroffene und Mitwissende zum Schweigen verpflichtet. Dadurch nahmen Verantwortliche der Kirche in Kauf, dass es zu weiteren Fällen sexuellen Missbrauchs kam.“
Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), Kap. 7 Fazit, PDF-S. 110. Original
Originaldokumente zum Nachlesen
- Kommissionsbericht
Universität Zürich, Historisches Seminar (Leitung Monika Dommann, Marietta Meier), finanziert von SBK, RKZ und KOVOS: Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts (2. korrigierte Auflage, November 2023), 1. November 2023. Original (abgerufen 12. 10. 2026) - Kommissionsbericht
Universität Zürich, Media Relations: Medienmitteilung: Grosses Spektrum von Fällen sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche, 12. September 2023. Original (abgerufen 12. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (1)
- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 12. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.