Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
1958-2012 · 54 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Michigan 1958 bis 2012: Ein Priester wurde trotz Beschwerden über Missbrauch an Ministranten zweimal versetzt; ein Bischof schlug vor, ihn zu lassen, damit die Gerüchte nicht bestätigt würden

Der Bericht der Generalstaatsanwaltschaft von Michigan zur Diözese Saginaw (2026) dokumentiert aus beschlagnahmten Akten den Fall von Pater Stanislaus Bur. Um 1972 verlangte ein Staatsanwalt telefonisch, dass Bur die Gegend verlasse, um künftige Peinlichkeiten zu vermeiden; die Sache wurde nicht weiter verfolgt, Bur wurde nach Beal City versetzt. Dort meldete der Pfarrgemeinderat Ende 1972, Bur nehme Ministranten in sein Landhaus mit, abends gebe es Bier und sexuelle Übergriffe. Bischof Reh ließ seinen Kanzler Geheimhaltung schwören und schlug den Eltern vor, Bur zu lassen, um die Gerüchte nicht zu bestätigen. Bur kam in eine andere Pfarrei. 1983 wurde er mit Dank für seine Kooperation in den Ruhestand geschickt, 1992 suspendiert, 2005 endgültig entfernt. Rom schickte die Akten, die Saginaw 2009 anforderte, erst 2012.

Zeitraum
1958-2012 (54 Jahre)
Land
Vatikanstadt, Vereinigte Staaten
Institutionen
Diözese Saginaw
Diözese Grand Rapids
Kongregation für die Glaubenslehre
Kategorie
Sexueller Missbrauch, Vertuschung
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?
Personen
Stanislaus Bur (Priester in Grand Rapids und Saginaw, laut kirchlicher Liste glaubwürdig beschuldigt, 2005 aus dem Dienst entfernt)
Francis Reh (Bischof von Saginaw, schlug 1973 vor, Bur nicht zu versetzen)

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Am 28. Dezember 1972 meldeten Vertreter der Pfarrei St. Joseph the Worker in Beal City dem Kanzler der Diözese Saginaw, Bur nehme regelmäßig Ministranten mit in sein Landhaus; tagsüber arbeiteten sie im Freien, abends gebe es Bier und sexuelle Übergriffe. Mehrere Eltern waren bereit auszusagen. Zu den Vorwürfen, die Saginaw 2004 nach Rom meldete, gehörte einer aus Grand Rapids von 1958.
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 15
    „was taking altar boys up to his country place regularly. During the day, they worked outdoors. In the evenings, there was beer (cigarettes?) and sexual molesting.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 15. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 10
    „including one from Fr. Bur’s ministry in the Diocese of Grand Rapids in 1958“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 10. Original · Archivkopie

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Laut einem Brief des Bischofs von Grand Rapids von 1973 bat die Staatsanwaltschaft eines nördlichen Bezirks telefonisch darum, dass Bur die Gegend verlasse, um künftige Peinlichkeiten zu vermeiden; die Sache wurde nicht weiter verfolgt, weil alle Beteiligten übereinkamen, die Vorwürfe nicht weiter zu untersuchen. Der Bischof schrieb, Bischof Babcock habe die Akte möglicherweise in seinen vertraulichen Unterlagen aufbewahrt, die er nach seinem Tod verbrennen ließ. Eine Gemeindeangehörige schrieb 1973, sie habe sich schon drei oder vier Jahre zuvor über Bur beschwert, und es erschrecke sie, dass man ihn an noch einen Ort gehen lasse.
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 17
    „In this telephone conversation the departure of Fr. Bur from the area was requested in order to avoid future embarrassment.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 17. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 17
    „Hence the matter was not pursued further because all parties involved were in agreement not to continue further investigation into the allegations.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 17. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 17
    „It is possible that Bishop Babcock placed the letter in his own confidential files, which he kept at his residence, and ordered to be burned on the occasion of his death.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 17. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 18
    „It surprises and also frightens [me] that you would let [him] go to still another place [to] preach“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 18. Original · Archivkopie

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. 1983 schickte Bischof Kenneth Untener Bur nach einer psychologischen Begutachtung in den vorzeitigen Ruhestand, mit den üblichen Leistungen, und dankte ihm schriftlich für seine bewundernswerte Kooperation. Im Oktober 1992 wurde Bur suspendiert, im November 2005 endgültig aus dem Dienst entfernt; er starb 2009. Saginaw hatte den Fall 2004 an die Glaubenskongregation in Rom geschickt; die 2009 angeforderten Akten schickte die Kongregation erst im Oktober 2012 zurück.
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 21
    „Your spirit of cooperation in this has been admirable, and it has meant a great deal to me.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 21. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 10
    „Fr. Bur was suspended from ministry in October 1992 and permanently removed from ministry in November 2005.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 10. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 10
    „Died: February 1, 2009“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 10. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 10
    „the CDF did not send the requested copy of the original acts of the case until October 2012“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 10. Original · Archivkopie

Hintergrund

Reaktion der Kirche

  1. Am 25. Januar 1973 ließ Bischof Francis Reh seinen Kanzler einen Eid auf Geheimhaltung über alle Unterlagen zum Verfahren gegen Bur schwören. Bei einem Treffen mit Bur wurde beschlossen, der Pfarrei vorzuschlagen, Bur nicht zu versetzen, um den Gerüchten keine Glaubwürdigkeit zu geben. Der Pfarrgemeinderat lehnte das ab; der Bischof und der Dekan sorgten sich laut Aktenvermerk ernsthaft, dass zwei Eltern Anzeige beim Sheriff erstatten könnten. Bur musste die Pfarrei verlassen; es wurde geplant, dass er mindestens einen Monat eine Pfarrei außerhalb der Diözese betreute, danach sollte eine neue Stelle erwogen werden.
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 18
    „took an oath to maintain secrecy regarding everything which he may learn as Chancellor and Notary“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 18. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 19
    „It was decided that the parish (parish council and certain parents) should be approached and the suggestion made that Father Bur not be transferred so as not to give credance [sic.] to the rumors.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 19. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 20
    „there was reason for the Bishop, as well as Fr. Thome, to have a real concern that the two parents involved would lodge a complaint with the local sheriff“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 20. Original · Archivkopie
    Beleg: Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel, S. 20
    „A plan was worked out with Fr. Thome by which Fr. Bur would be able to supply a parish outside of the diocese for at least a month.“
    Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, S. 20. Original · Archivkopie

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Staatlicher Bericht
    Michigan Department of Attorney General, Dana Nessel: Diocese of Saginaw: A Complete Accounting, 25. Juni 2026. Original · Archivkopie (abgerufen 30.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 30. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.