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1967 – 2001 · 34 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Bistum Trier, Studie der Universität Trier zu sexuellem Missbrauch in den Amtszeiten der Bischöfe Stein und Spital (1967–2001)

Historiker der Universität Trier untersuchen im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission sexuellen Missbrauch im Bistum Trier seit 1946. Für 1946 bis 2021 ermittelten sie 711 betroffene Kinder und Jugendliche und 234 Beschuldigte bzw. Täter; bis 1990 fiel im Schnitt jeder neunte geweihte Priester des Bistums als Beschuldigter auf. Unter Bischof Stein (1967–1981) mied das Bistum die Staatsanwaltschaft, um einen Skandal zu vermeiden; der Bischof sprach in keinem Fall mit Betroffenen. Unter Bischof Spital (1981–2001) wurden Täter auch ins Ausland versetzt und dort rückfällig.

Zeitraum
1967 – 2001 (34 Jahre)
Bericht veröffentlicht
1. Januar 2022
Land
Bolivien, Deutschland, Ukraine
Institutionen
Bistum Trier
Bischof Bernhard Stein
Bischof Hermann Josef Spital
Kategorie
Sexueller Missbrauch, Vertuschung
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Für die Amtszeit von Bischof Bernhard Stein (1967–1981) umfasst das bekannte Hellfeld 305 Betroffene und 81 Beschuldigte, 73 Prozent der Opfer waren männlich. Für die Amtszeit von Bischof Hermann Josef Spital (1981–2001) wurden 194 Betroffene und 49 Beschuldigte ermittelt. Insgesamt zählt die Studie für 1946 bis 2021 711 betroffene Kinder und Jugendliche und 234 Beschuldigte bzw. Täter.
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 1
    „Für den untersuchten Zeitraum umfasst das derzeit bekannte „Hellfeld“ einen Kreis von 305 Betroffenen und von 81 Beschuldigten.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 1. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 1
    „Die überwiegende Mehrzahl der Taten wurde an männlichen Opfern (73 Prozent) begangen.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 1. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 1
    „Für die Amtszeit von Hermann Josef Spital (1981–2001) wurde ein Hellfeld von 49 Beschuldigten und Tätern sowie 194 Betroffenen identifiziert. Sie machen insgesamt 27 Prozent der von uns ermittelten 711 betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie knapp 21 Prozent der insgesamt im Untersuchungszeitraum unserer Studie von 1946 bis 2021 ermittelten 234 Beschuldigten bzw. Täter aus.“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 1. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Bis 1990 fiel im Durchschnitt noch jeder neunte im Bistum Trier geweihte Priester als Beschuldigter auf. 14 Mehrfach- und Intensivtäter mit jeweils zehn oder mehr Opfern missbrauchten in der Amtszeit Spitals mindestens 148 Menschen, 76 Prozent aller Betroffenen dieser Zeit.
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 1
    „Bis 1990 ist im Durchschnitt noch jeder neunte zum Priester Geweihte des Bistums Trier als Beschuldigter auffällig geworden.“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 1. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 1
    „mindestens 148 Personen (also 76 Prozent aller Betroffenen) ermittelt, die von Mehrfach- und Intensivtätern missbraucht wurden“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 1. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Taten geschahen an Messdienern in Sakristeien, in Pfarrwohnungen und in Ferienlagern, oft unter Androhung körperlicher Gewalt. Viele Priester nutzten ihre Amtsautorität und geistliche Macht, um Kinder gefügig zu machen und zum Schweigen zu verpflichten. Viele Betroffene leiden bis heute an psychischen und körperlichen Folgen, ein Teil wurde schwerst traumatisiert.
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 1
    „Taten erfolgten an Messdienern in Sakristeien oder den Wohnungen von Pfarrern und Kaplänen.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 1. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 2
    „Viele beschuldigte Priester nutzten ihre Amtsautorität und spirituelle Macht als Drohkulisse, um Kinder und Jugendliche, denen sie sich sexuell näherten, gefügig zu machen und nach der Tat zum Schweigen zu verpflichten.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 2
    „Ein Teil von ihnen wurde schwerst traumatisiert.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original

Hintergrund

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Bischof Stein setzte nach der Studie auf seelsorgerische Maßnahmen und weitestgehende Geheimhaltung und blendete die Folgen für die Betroffenen aus. Kinder schwiegen, weil die Priester hoch angesehen waren, oft gute Kontakte zu den Eltern hatten und die Kinder fürchteten, der Lüge bezichtigt zu werden.
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 4
    „Er setzte auf seelsorgerische Maßnahmen, sorgte für weitestgehende Geheimhaltung, war unaufmerksam, wenn es um die Kontrolle der selbst verordneten Besserungsmaßnahmen ging, und blendete die Folgen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen aus.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 4. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 2
    „die Angst, der Lüge bezichtigt zu werden“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original

Reaktion der Kirche

  1. Unter Bischof Stein mied das Bistum wie schon unter seinem Vorgänger die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, um einen Skandal zu vermeiden. Gegen einen Pfarrer, der mindestens 22 Kinder und Jugendliche missbrauchte, entschied man sich bewusst gegen Strafanzeige und scharfe Sanktionen. Nur 2 von 12 Interventionen waren erfolgreich. Bischof Stein sprach nach den Akten in keinem Fall mit Betroffenen.
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 4
    „Das Bistum unter Stein vermied wie bereits unter seinem Vorgänger die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft, um einen Skandal zu vermeiden.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 4. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 3
    „mindestens 22 Kinder beziehungsweise Jugendliche beiderlei Geschlechts sexuell missbrauchte. Die Verantwortlichen des Bistums griffen nicht wirksam ein, sondern entschieden sich bewusst gegen die Option der Strafanzeige und scharfe kirchenrechtliche Sanktionen.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 3. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 4
    „Nach Aktenlage waren aber nur 2 von 12 Interventionen erfolgreich.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 4. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier, Kurzfassung, S. 4
    „Nach den Akten hat Bischof Stein in keinem Fall mit Betroffenen gesprochen.“
    Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 4. Original
  2. Auch unter Bischof Spital wurden straffällig gewordene Priester ins Ausland versetzt, etwa in die Ukraine und nach Bolivien; beide wurden dort rückfällig. Die moralische Pflicht, staatliche Stellen zu informieren, wurde vollständig vernachlässigt. Sieben von 20 bekannten Priestern missbrauchten weiter oder konsumierten Kinderpornografie.
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 2
    „Auch in der Amtszeit von Bischof Spital wurden straffällig gewordene Priester in andere Länder versetzt.“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 2
    „Beide wurden an ihren neuen Einsatzorten wieder rückfällig.“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 2
    „so wurde die moralische Pflicht zu Anzeige und Information staatlicher Stellen vollständig vernachlässigt“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original
    Beleg: Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL), Kurzfassung, S. 2
    „Sieben der 20 Priester haben sich aber weiterhin des sexuellen Missbrauchs beziehungsweise des Konsums von Kinderpornographie schuldig gemacht.“
    Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), Kurzfassung, S. 2. Original

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier), für die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier: Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981), Zwischenbericht (Kurzfassung), 1. Januar 2022. Original (abgerufen 15. 10. 2026)
  2. Kommissionsbericht
    Lena Haase, Lutz Raphael (Universität Trier, Forschungsstelle SEAL): Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in der Amtszeit Hermann Josef Spitals (1981–2001), Zweiter Zwischenbericht (Kurzfassung), 1. Januar 2024. Original (abgerufen 15. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 15. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.