Wollongong 1993 bis 2008: Ein beschuldigter Priester wehrte sich zwölf Jahre lang gegen seine Entfernung; die Kleruskongregation in Rom gab ihm recht, das Höchstgericht brauchte fünfeinhalb Jahre
In Fallstudie 14 untersuchte die australische Royal Commission, wie die Kirche mit Pater John Nestor aus Wollongong umging, der Ferienlager für Kinder organisierte. 1993 befragte Pater Brian Lucas ihn und machte wie üblich keine Notizen; laut Kommission sollte diese Praxis verhindern, dass Geständnisse schriftlich festgehalten wurden, zum Schutz des Priesters und der Kirche. Nestor wurde 1996 wegen eines Übergriffs auf einen Jungen verurteilt, 1997 in der Berufung freigesprochen. Der Bischof verbot ihm die öffentliche Messe; Nestor feierte sie trotzdem, eingeladen von zwei Pfarrern. Die Kleruskongregation in Rom entschied für Nestor; das Höchstgericht der Kirche brauchte fünfeinhalb Jahre, in denen Nestor im Ausland als Priester wirkte. Eine Untersuchung bestätigte drei von vier Vorwürfen; 2008 entließ Benedikt XVI. ihn aus dem Priesterstand.
- Zeitraum
- 1993-2008 (15 Jahre)
- Land
- Australien, Vatikanstadt
- Institutionen
- Diözese Wollongong
Kongregation für den Klerus
Apostolische Signatur
Kongregation für die Glaubenslehre - Kategorie
- Sexueller Missbrauch, Vertuschung
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
- Personen
- John Nestor (Priester in Wollongong, 1996 verurteilt, 1997 freigesprochen, 2008 aus dem Priesterstand entlassen)
Brian Lucas (Priester und Jurist, führte keine Notizen über Befragungen beschuldigter Priester)
Was den Menschen geschah
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Nestor wurde 1989 geweiht und organisierte ab den späten 1980er Jahren Ferienlager für Kinder, auch für Ministranten. Anfang der 1990er Jahre gab es Gerüchte und Beschwerden über sein Verhalten gegenüber Jungen. 1993 befragte ihn Pater Brian Lucas im Auftrag des Bischofs und machte wie gewohnt weder während noch nach dem Gespräch Notizen. Laut Royal Commission sorgte diese Praxis dafür, dass es keine schriftlichen Aufzeichnungen über Geständnisse strafbarer Handlungen gab, um den betroffenen Priester und die Kirche zu schützen.
Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 7
„From about the late 1980s1 Nestor organised camps for children in the Diocese.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 7. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 4
„Father Lucas told us that, in keeping with his usual practice, he did not take notes during or after this interview.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 4. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 4, Feststellung 3
„An outcome of Father Lucas’ practice of not taking notes of interviews, such as his interview with Nestor, was to ensure that there was no written record of any admissions of criminal conduct in order to protect the priest or religious concerned and the Church“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 4, Feststellung 3. Original · Archivkopie - Im Dezember 1996 wurde Nestor wegen schwerer unsittlicher Übergriffe auf einen Jungen unter 16 verurteilt; im Oktober 1997 wurde er in der Berufung freigesprochen. Der Bischof verbot ihm per Dekret die öffentliche Ausübung des Priesteramts. Nestor widersetzte sich und feierte mehrfach die Messe, eingeladen von zwei Pfarrern, was laut Kommission den Schutz der Kinder untergrub.
Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 7
„In December 1996, he was convicted in the Wollongong Local Court of aggravated indecent assault and an aggravated act of indecency on a person under the age of 16 years. In October 1997, he was acquitted on appeal to the District Court of New South Wales.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 7. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5
„Nestor disobeyed his bishop and performed mass on more than one occasion.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5, Feststellung 6
„undermined Bishop Wilson’s efforts to protect children from possible sexual abuse by Nestor as a cleric“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5, Feststellung 6. Original · Archivkopie
Was geschah mit den Betroffenen?
- Eine unabhängige Untersuchung nach dem Ombudsmann-Gesetz von New South Wales bestätigte drei von vier Vorwürfen gegen Nestor. Im Oktober 2008 entließ Papst Benedikt XVI. ihn aus dem Klerikerstand. Laut Kommission hätte Bischof Ingham öffentlich machen müssen, dass dies wegen der Feststellungen zu sexuellem Missbrauch geschah.
Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5
„This investigation resulted in three out of the four allegations against Nestor being sustained.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5
„Pope Benedict XVI dismissed Nestor from the priesthood in October 2008.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 6, Feststellung 9
„Bishop Peter Ingham should have made it known publicly that Nestor had been dismissed from the clerical state because of the findings of child sexual abuse and other inappropriate conduct made against him.“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 6, Feststellung 9. Original · Archivkopie
Hintergrund
Reaktion der Kirche
- Nestor wandte sich an die Kongregation für den Klerus im Vatikan, die laut Aussagen vor der Kommission in solchen Fällen eher den Klerikern zuneigt, und erhielt recht. Die Diözese ging vor die Apostolische Signatur, das höchste Gericht der Kirche; die Entscheidung zugunsten der Diözese dauerte fast fünfeinhalb Jahre. In dieser Zeit war Nestor laut Kommission jahrelang im Ausland, wirkte teils öffentlich als Priester und war eine mögliche Gefahr für Kinder.
Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5
„We heard evidence that the CFC tends to favour the clergy in such circumstances“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5
„after nearly 5½ years the Apostolic Signatura made a decision in favour of the Diocese“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5. Original · Archivkopie Beleg: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien, S. 5, Feststellung 7
„resulted in Nestor being abroad for many years, where he undertook some public ministry and was a potential risk to children“
Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong, S. 5, Feststellung 7. Original · Archivkopie
Siehe auch
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1949-2014 · 65 Jahre
Maitland-Newcastle 1949 bis 2014: Staatliche Kommission fand, dass Bischöfe jahrzehntelang von einem Kinderschänder wussten und ihn nie anzeigten; ein Brief von 1976 spricht von „cover-up“
- Australien
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
-
1950-1989 · 39 Jahre
Sexueller Missbrauch in katholischen Einrichtungen Australiens (Royal Commission)
- Australien
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Staatlicher Bericht
Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Australien: Report of Case Study No. 14: Catholic Diocese of Wollongong. Original · Archivkopie (abgerufen 30.10.2026)
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Zuletzt geändert am 30. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.