Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
2018-2025 · 7 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Bistum Erfurt 2018 bis 2025: Aufarbeitungskommission widerlegt Aussagen des Generalvikars; belastende Unterlagen lagen in „Q-Ordnern“ und zugeklebten Umschlägen außerhalb der Personalakten

Der Jahresbericht 2025 der Lesegruppe der Erfurter Aufarbeitungskommission hält fest: Belastende Dokumente kamen regelmäßig nicht in die Personalakten, sondern in drei Ordner „Q“ für „Querelen“. 2025 fanden sich zugeklebte Umschläge in Personalakten. Die Akten waren offenbar systematisch nicht paginiert, sodass niemand Entnahmen nachvollziehen kann. Die Aussage des damaligen Generalvikars von 2018, Hinweise stammten allein von Betroffenen, nennt der Bericht eindeutig falsch; das Bistum wusste von etlichen Vorfällen schon vor 2010.

Zeitraum
2018-2025 (7 Jahre)
Bericht veröffentlicht
18. März 2026
Land
Deutschland
Institutionen
Bistum Erfurt
Kategorie
Sexueller Missbrauch, Vertuschung
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Der damalige Generalvikar erklärte am 25. September 2018, in den Akten gebe es keine Hinweise auf Missbrauch und keine Anzeichen für Aktenvernichtung. Der Bericht nennt das die halbe Wahrheit. Die Akten seien allem Anschein nach systematisch nicht paginiert worden. Niemand könne wissen, ob Seiten entfernt oder eingefügt wurden.
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 7
    „ist das nur die halbe Wahrheit“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 7. Original
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 8
    „nicht paginiert wurden“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 8. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Eindeutig falsch war laut Bericht die Aussage, Hinweise stammten allein von Betroffenen: Das Bistum wusste von etlichen Vorfällen bereits vor 2010. Die Personalakte des im Umschlagfund genannten Klerikers war für die MHG-Studie nicht untersucht worden, weil nur Personalakten der von 2000 bis 2014 Lebenden gesichtet werden sollten.
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 8
    „wusste das Bistum von etlichen Vorfällen bereits vor 2010“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 8. Original
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 6
    „nicht untersucht worden“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 6. Original

Hintergrund

Reaktion der Kirche

  1. Für belastende Dokumente führte ein früherer Bischof laut Bericht drei Ordner mit der Bezeichnung „Q“ für „Querelen“. Ihr Inhalt kam im Frühjahr 2019 in die Fallakten, ohne dass die Herkunft kenntlich gemacht wurde.
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 7
    „gestanden habe. Der in den „Q-Ordnern“ aufbewahrte Inhalt“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 7. Original
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 7
    „Dabei wurde die Herkunft der jeweiligen Dokumente nicht“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 7. Original
  2. Im Herbst 2025 wurden fünf Kisten mit Personalakten verstorbener Kleriker ins Bistumsarchiv gebracht. In einer Personalakte lag ein mit Klebestreifen verschlossener Umschlag mit Hinweisen auf sexuell übergriffiges Verhalten. Daraufhin wurden alle Personalakten im Archiv durchsucht. Ein Fund deutet auf ungebührliches Verhalten eines Klerikers gegenüber jungen Mädchen um 1980 und möglichen Druck durch die Staatssicherheit.
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 5
    „fünf Kisten mit Personalakten verstorbener Kleriker“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 5. Original
    Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt, S. 6
    „gegenüber jungen Mädchen ungebührlich verhalten haben könnte“
    Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, S. 6. Original

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Erfurt: Jahresbericht 2025 über die Tätigkeit der Lesegruppe der im Bistum Erfurt eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, 18. März 2026. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.