13.06.2020 · 1 Tag
· im Zeitstrahl zeigen
Bistum Limburg, Projekt „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ (2020), Aktenanalyse von 46 Fällen
Im Projekt „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ des Bistums Limburg werteten zwei frühere Richter und eine Psychologin 2020 die Personal- und Geheimakten aus und fanden 46 aktenkundige Fälle sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, in mindestens einem Viertel mit Penetration. Kinder wurden mit Drohungen zum Schweigen gebracht, teils mit Schlafmitteln oder Alkohol gefügig gemacht, mindestens zweimal im Rahmen der Beichte missbraucht. Leitend war laut Projektbeobachterin der Schutz der eigenen Institution; in keinem vor 2008 bekannt gewordenen Fall wurde das Leid der Kinder gesehen.
- Zeitraum
- 13.06.2020 (1 Tag)
- Bericht veröffentlicht
- 13. Juni 2020
- Land
- Deutschland
- Institutionen
- Bistum Limburg
Vincenzstift - Kategorie
- Sexueller Missbrauch, Vertuschung
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Die Aktenanalyse ergab 46 aktenkundige Fälle. In mindestens einem Viertel wurde schwerer Missbrauch mit Penetration über längere Zeit beschrieben, in zwei Dritteln waren Jungen betroffen. Es ist von deutlich mehr Betroffenen auszugehen; die Akten deuten weitere aus Messdienergruppen, Klassen und Heimen an.
Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5 Ergebnisse der Projektarbeit, S. 147 (PDF-S. 35)
„Bei Betrachtung der Ergebnisse der von TP1 untersuchten 46 aktenkundigen Fälle zeigt sich, dass mindestens in einem Viertel der Fälle schwerer sexueller Missbrauch mit Penetration beschrieben wurde.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5 Ergebnisse der Projektarbeit, S. 147 (PDF-S. 35). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5 Ergebnisse der Projektarbeit, S. 147 (PDF-S. 35)
„In zweidrittel der bekannt gewordenen Fälle waren Jungen die Betroffenen.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5 Ergebnisse der Projektarbeit, S. 147 (PDF-S. 35). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen (PDF-S. 39)
„Allein in den Akten deuten sich wesentlich mehr Betroffen aus beispielsweise Messdienergruppen, Klassen und Heimen an.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen (PDF-S. 39). Original
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Keiner der angeschriebenen noch lebenden Beschuldigten meldete sich beim Untersuchungsteam. 24 Beschuldigte sind verstorben, in 17 Fällen wurden die Taten erst nach dem Tod des Beschuldigten gemeldet, vor allem nach 2010.
Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 36)
„In 17 Fällen wurden diese erst durch die Meldung Betroffener nach dem Tod des Beschuldigten bekannt, dies insbesondere nach 2010.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 36). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 36)
„24 der Beschuldigten sind verstorben.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 36). Original
Was geschah mit den Betroffenen?
- Den Kindern wurde gedroht, niemand werde ihnen glauben, bis hin zur Drohung, nahe Angehörige würden sterben. In einzelnen Fällen wurden Schlafmittel und Alkohol eingesetzt, um Kinder ohne Widerstand zu missbrauchen. Mindestens zwei Beschuldigte missbrauchten im Rahmen der Beichte, in mindestens zwei Fällen wurde die Tat im Namen Gottes gerechtfertigt. Im Vincenzstift, einem Heim, gab es auch nach 1970 massive Gewalt.
Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 38)
„ihnen werde niemand glauben, bis hin zur Drohung nahe Bezugspersonen würden sterben, wenn die Kinder etwas äußerten“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 38). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 37)
„In einzelnen Fällen wurden auch Medikamente (Schlafmittel) und Alkohol eingesetzt, um die Kinder ohne Widerstand missbrauchen zu können.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 37). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 38)
„In mindestens zwei Fällen wurde die Tat gar im Namen Gottes gerechtfertigt. Mindestens zwei Beschuldigte führten den Missbrauch im Rahmen der Beichte aus.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 38). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 39)
„Vincenzstift massive Gewalt auch über das Jahr 1970 hinaus“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.1 Die Beschuldigten (PDF-S. 39). Original
Hintergrund
Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)
- Nach dem Abschlussvotum der externen Projektbeobachterin war neben Mitgefühl mit den Beschuldigten vor allem der Schutz der eigenen Institution und die Angst vor öffentlicher Diskussion und Skandal handlungsleitend: Der Täter wurde eher als Bedrohung des klerikalen Systems gesehen als als Gefahr für weitere Kinder.
Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Abschlussvotum der Projektbeobachterin (PDF-S. 11)
„neben der Empathie für die Beschuldigten eher der Schutz der eigenen Institution, die Angst vor öffentlicher Diskussion und Skandalisierung handlungsleitend war“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Abschlussvotum der Projektbeobachterin (PDF-S. 11). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Abschlussvotum der Projektbeobachterin (PDF-S. 11)
„der sexuell missbrauchende Beschuldigte wird eher als Bedrohung des eigenen klerikalen Systems gesehen und nicht als Gefahr für weitere Kinder und Jugendliche“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Abschlussvotum der Projektbeobachterin (PDF-S. 11). Original
Reaktion der Kirche
- Selbst wenn Missbrauch aufgedeckt wurde, schenkte man den Opfern keine Aufmerksamkeit; meist wurde nicht einmal mit den Kindern gesprochen. In keinem der vor 2008 bekannt gewordenen Fälle wurde das Leid der Kinder gesehen. Eltern glaubten den Kindern oft nicht, manche Kinder wurden wegen „schlechten“ Verhaltens wieder zum Pfarrer geschickt.
Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen (PDF-S. 40)
„In der überwiegenden Zahl der Fälle wurden nicht einmal Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen geführt. In keinem der vor 2008 bekannt gewordenen Fälle wurde das Leid der Kinder gesehen.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen (PDF-S. 40). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen (PDF-S. 40)
„Es kam auch vor, dass Kinder, ob ihres „schlechten“ Verhaltens wieder zum Pfarrer geschickt wurden, also in die Arme des Peinigers.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen (PDF-S. 40). Original - Wenn Eltern ihren Kindern glaubten und Strafverfolgung wollten, wurden sie vor allem vor 2000 von Kirchenangehörigen als unglaubwürdig hingestellt, zur Geheimhaltung verpflichtet oder mit Aussicht auf interne Sanktionen von einer Strafanzeige abgebracht. Bis 2002 war das Handeln des Bistums davon getragen, Schaden von der Kirche abzuwenden und den Kleriker vor einer strafrechtlichen Verurteilung zu schützen.
Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen, S. 153 (PDF-S. 41)
„wurden sie, insbesondere vor 2000, durch Kirchenangehörige als unglaubwürdig dargestellt, zur Geheimhaltung verpflichtet oder auch in längeren Gesprächen mit in Aussicht auf interne Sanktionen für den Beschuldigten von einer Strafanzeige abgebracht“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.2 Die Betroffenen, S. 153 (PDF-S. 41). Original Beleg: Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org, Teilprojekt 1, Kap. 5.3 Maßnahmen der Kirche, S. 153 (PDF-S. 41)
„Getragen war in allen Fällen die Handlungsweise des Bistums von dem Bestreben, „Schaden von der Kirche abzuwenden“, und die zu missbilligende Verhaltensweise des Klerikers nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen sowie diesen vor einer strafrechtlichen Verurteilung zu schützen.“
Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), Teilprojekt 1, Kap. 5.3 Maßnahmen der Kirche, S. 153 (PDF-S. 41). Original
Originaldokumente zum Nachlesen
- Kommissionsbericht
Bistum Limburg (Teilprojekt 1: externe Juristen und Psychologin); Kopie bei BishopAccountability.org: Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie im Bistum Limburg, Projektdokumentation (Online-Fassung, Fallbeschreibungen S. 31–144 nicht enthalten), 13. Juni 2020. Original (abgerufen 15. 10. 2026)
Änderungsprotokoll (1)
- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 15. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.