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848-870 · 22 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Gottschalk von Orbais 848/849: wegen seiner Lehre von der Vorherbestimmung zweimal verurteilt, ausgepeitscht und bis zum Tod eingekerkert

Der Mönch Gottschalk lehrte eine doppelte Vorherbestimmung (Gott bestimme die einen zum Heil, die anderen zur Verdammnis), gestützt auf Augustinus. Die Synode von Mainz verurteilte ihn 848 als Ketzer und ließ ihn schlagen. Die Synode von Quierzy 849 unter Erzbischof Hinkmar von Reims verurteilte ihn erneut, setzte ihn als Priester ab, ließ ihn auspeitschen, zwang ihn, seine Schriften eigenhändig zu verbrennen, und sperrte ihn lebenslang im Kloster Hautvillers ein. Als er erkrankte, verweigerte Hinkmar ihm Sakramente und kirchliches Begräbnis, wenn er nicht widerrufe. Er widerrief nicht und starb zwischen 866 und 870 in Haft.

Zeitraum
848-870 (22 Jahre)
Land
Deutschland, Frankreich
Institutionen
Synode von Mainz 848
Synode von Quierzy 849
Hrabanus Maurus
Hinkmar von Reims
Kloster Hautvillers
Kategorie
Folter, Häresieverfahren, Zensur
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?
Personen
Gottschalk von Orbais (Mönch und Theologe, gegeißelt und bis zum Tod eingekerkert)
Hinkmar von Reims (Erzbischof, betrieb die Verurteilung in Quierzy und hielt Gottschalk in Haft)
Hrabanus Maurus (Erzbischof von Mainz, Gegner Gottschalks)

Was den Menschen geschah

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Im Oktober 848 legte Gottschalk der Synode von Mainz ein Glaubensbekenntnis vor. Er wurde der Ketzerei für schuldig befunden, geschlagen, musste schwören, das Gebiet Ludwigs des Deutschen nie wieder zu betreten, und wurde Erzbischof Hinkmar von Reims übergeben.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „He was convicted, however, of heresy, beaten, obliged to swear that he would never again enter the territory of Louis the German, and handed over to Hincmar, archbishop of Reims“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. 849 verurteilte ihn ein Provinzialkonzil in Quierzy erneut als Ketzer und Störer des öffentlichen Friedens. Er wurde als Priester abgesetzt, ausgepeitscht, gezwungen, sein Glaubensbekenntnis zu verbrennen, und im Kloster Hautvillers eingesperrt. Laut Catholic Encyclopedia setzte Hinkmar das durch und brachte ihn mit lebenslanger Klosterhaft zum Schweigen.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „was again condemned as a heretic and disturber of the public peace, was degraded from the priesthood, whipped, obliged to burn his declaration of faith, and shut up in the monastery of Hautvilliers“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 12 (1911), Artikel Predestinarianism, Abschnitt Lucidus and Gottschalk
    „Through the efforts of Hincmar, Archbishop of Reims , the Synod of Quierzy (849) compelled Gottschalk , whose enforced stay in the Order of St. Benedict had cost him dearly, to burn his writings with his own hand, and silenced him by imprisoning him for life in the monastery of Hautvilliers near Reims .“
    Predestinarianism, Artikel Predestinarianism, Abschnitt Lucidus and Gottschalk. Original · Archivkopie
  2. Als Hinkmar erfuhr, dass Gottschalk erkrankt war, verbot er, ihm die Sakramente zu reichen oder ihn in geweihter Erde zu begraben, wenn er nicht widerrufe. Gottschalk weigerte sich und starb an einem 30. Oktober zwischen 866 und 870.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „when Hincmar learned that Gottschalk had fallen ill, he forbade him the sacraments or burial in consecrated ground unless he would recant. This Gottschalk refused to do. He died on the 30th of October between 866 and 870.“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie

Hintergrund

Ablauf

  1. Gottschalk wurde um 808 bei Mainz geboren und von seinen Eltern schon als Kind dem Klosterleben übergeben (Fulda, später Orbais im Bistum Soissons). Durch das Studium Augustins kam er zur Lehre von der absoluten Vorherbestimmung: Gott bestimme die einen zum Heil und die anderen zur Verdammnis. Hrabanus Maurus, sein früherer Abt und nun Erzbischof von Mainz, ließ ihn aus Italien vertreiben.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „German theologian, was born near Mainz, and was devoted ( oblatus ) from infancy by his parents“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „Gottschalk believing in a predestination to condemnation as well as in a predestination to salvation“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „Driven from Italy through the influence of Hrabanus Maurus, now archbishop of Mainz“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie

Reaktion der Kirche

  1. Gottschalk hielt in der Haft an seiner Lehre fest. Mehrere Bischöfe und Theologen schrieben für ihn, darunter Prudentius von Troyes und Ratramnus von Corbie. Papst Nikolaus I. zog den Fall an sich und lud Hinkmar 863 zum Konzil von Metz; Hinkmar erschien nicht, und es geschah nichts. Laut Catholic Encyclopedia neigen Forscher heute dazu, Gottschalks Lehre im rechtgläubigen Sinn zu deuten.
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „Prudentius, bishop of Troyes, Wenilo of Sens, Ratramnus of Corbie, Loup of Ferrières and Florus of Lyons wrote in his favour.“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie
    Beleg: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911), Artikel Gottschalk
    „Finally the pope Nicolas I. took up the case, and summoned Hincmar to the council of Metz (863). Hincmar either could not or would not appear“
    Gottschalk, Artikel Gottschalk. Original · Archivkopie
    Beleg: The Catholic Encyclopedia, Bd. 12 (1911), Artikel Predestinarianism, Abschnitt Lucidus and Gottschalk
    „At the present time, however, scholars, because of two extant professions of faith“
    Predestinarianism, Artikel Predestinarianism, Abschnitt Lucidus and Gottschalk. Original · Archivkopie

Siehe auch

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    The Catholic Encyclopedia, Bd. 12 (1911): Predestinarianism, 1. Januar 1911. Original · Archivkopie (abgerufen 23.10.2026)
  2. Nachschlagewerk
    Encyclopædia Britannica, 11. Auflage (1911): Gottschalk, 1. Januar 1911. Original · Archivkopie (abgerufen 23.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

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