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seit 08.12.1864 · 161 Jahre, andauernd · im Zeitstrahl zeigen

Rom 1864: Pius IX. verurteilt im Syllabus 80 „Irrtümer“, darunter Religionsfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat und die Versöhnung des Papstes mit dem modernen Fortschritt

Am 8. Dezember 1864 veröffentlichte Pius IX. die Enzyklika „Quanta Cura“ und ließ allen Bischöfen eine Liste von 80 verurteilten Sätzen zusenden, den Syllabus. Die Liste nennt die Sätze, die die Kirche als Irrtum verwirft, darunter die freie Wahl der Religion, die Trennung von Kirche und Staat und die Aussage, der Papst solle sich mit Fortschritt, Liberalismus und moderner Zivilisation versöhnen. Russland, Frankreich und Teile Italiens verboten die Veröffentlichung. 1965 erklärte das Zweite Vatikanische Konzil, der Mensch habe ein Recht auf religiöse Freiheit.

Zeitraum
seit 08.12.1864 (161 Jahre, andauernd)
Bericht veröffentlicht
8. Dezember 1864
Land
Vatikanstadt
Institutionen
Heiliger Stuhl
Kategorie
Zensur
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?
Personen
Pius IX. (Papst)
Giacomo Antonelli (Kardinalstaatssekretär)

Was den Menschen geschah

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Laut Catholic Encyclopedia sahen Gegner darin eine Absage an die moderne Kultur. In Russland, Frankreich und den Gebieten Italiens unter Viktor Emanuel wurde die Veröffentlichung verboten. Theologen sind sich laut derselben Quelle nicht einig, ob jede verurteilte These unfehlbar falsch ist.
    Beleg: Robert Appleton Company / The Encyclopedia Press (Wikisource), Abschnitt I.A
    „In Russia, France, and also in those parts of Italy then subject to Victor Emmanuel, its publication was forbidden.“
    Syllabus, in: Catholic Encyclopedia (1912), Bd. 14, Abschnitt I.A. Original
    Beleg: Robert Appleton Company / The Encyclopedia Press (Wikisource), Abschnitt I.B
    „There is no agreement, however, on the question whether each thesis condemned in the Syllabus is infallibly false“
    Syllabus, in: Catholic Encyclopedia (1912), Bd. 14, Abschnitt I.B. Original
  2. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärte 1965 in „Dignitatis humanae“, der Mensch habe ein Recht auf religiöse Freiheit und niemand dürfe gezwungen werden, gegen seine Überzeugung zu handeln.
    Beleg: Heiliger Stuhl (vatican.va), Nr. 2
    „This Vatican Council declares that the human person has a right to religious freedom.“
    Declaration on Religious Freedom, Dignitatis humanae, 7. Dezember 1965, Nr. 2. Original

Hintergrund

Ablauf

  1. Am 8. Dezember 1864 veröffentlichte Pius IX. die Enzyklika „Quanta Cura“. Am selben Tag sandte Kardinalstaatssekretär Antonelli im Auftrag des Papstes allen Bischöfen die Liste der verurteilten Sätze. Die Vorarbeiten hatten zwölf Jahre gedauert.
    Beleg: Robert Appleton Company / The Encyclopedia Press (Wikisource), Abschnitt I.A
    „by commission of the pope, the secretary of State, Cardinal Antonelli, sent, together with an official communication, to all the bishops the list of theses condemned by the Holy See“
    Syllabus, in: Catholic Encyclopedia (1912), Bd. 14, Abschnitt I.A. Original
    Beleg: Robert Appleton Company / The Encyclopedia Press (Wikisource), Abschnitt I.A
    „With that the preparation for the Syllabus, having occupied twelve years, was brought to an end.“
    Syllabus, in: Catholic Encyclopedia (1912), Bd. 14, Abschnitt I.A. Original
    Beleg: Cambridge University Press (Wikisource), Artikel Syllabus
    „a collection of eighty condemned propositions, addressed by order of Pius IX. to all the Catholic episcopate“
    Syllabus, in: Encyclopædia Britannica (1911), Bd. 26, Artikel Syllabus. Original

Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)

  1. Der Syllabus führt die folgenden Sätze als verurteilte Irrtümer auf: dass jeder Mensch die Religion annehmen dürfe, die er nach der Vernunft für wahr hält (15); dass die Kirche keine Zwangsgewalt habe (24); dass Kirche und Staat zu trennen seien (55).
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Nr. 15
    „Every man is free to embrace and profess that religion which, guided by the light of reason, he shall consider true.“
    The Syllabus of Errors, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Nr. 15. Original
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Nr. 24
    „The Church has not the power of using force, nor has she any temporal power, direct or indirect.“
    The Syllabus of Errors, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Nr. 24. Original
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Nr. 55
    „The Church ought to be separated from the .State, and the State from the Church.“
    The Syllabus of Errors, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Nr. 55. Original
  2. Ebenso verurteilt sind die Sätze, es sei nicht mehr angebracht, die katholische Religion als einzige Staatsreligion unter Ausschluss aller anderen Kulte zu halten (77), und der Papst könne und solle sich mit Fortschritt, Liberalismus und moderner Zivilisation versöhnen (80).
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Nr. 77
    „In the present day it is no longer expedient that the Catholic religion should be held as the only religion of the State, to the exclusion of all other forms of worship.“
    The Syllabus of Errors, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Nr. 77. Original
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Nr. 80
    „The Roman Pontiff can, and ought to, reconcile himself, and come to terms with progress, liberalism and modern civilization.“
    The Syllabus of Errors, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Nr. 80. Original
  3. In „Quanta Cura“ nennt Pius IX. die Ansicht, Gewissens- und Kultusfreiheit sei ein persönliches Recht jedes Menschen, verderblich und erinnert daran, dass Gregor XVI. sie Wahnsinn genannt hatte.
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Abschnitt zur Gewissensfreiheit
    „called by Our Predecessor, Gregory XVI, an “insanity,”“
    Pius IX, Quanta Cura, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Abschnitt zur Gewissensfreiheit. Original
    Beleg: Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online, Abschnitt zur Gewissensfreiheit
    „liberty of conscience and worship is each man’s personal right“
    Pius IX, Quanta Cura, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), Abschnitt zur Gewissensfreiheit. Original

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kirchliches Dokument
    Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online: The Syllabus of Errors, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), 8. Dezember 1864. Original (abgerufen 31.10.2026)
  2. Kirchliches Dokument
    Heiliger Stuhl; Text bei Papal Encyclicals Online: Pius IX, Quanta Cura, 8. Dezember 1864 (englische Übersetzung), 8. Dezember 1864. Original (abgerufen 31.10.2026)
  3. Kirchliches Dokument
    Heiliger Stuhl (vatican.va): Declaration on Religious Freedom, Dignitatis humanae, 7. Dezember 1965, 7. Dezember 1965. Original (abgerufen 31.10.2026)

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Nachschlagewerk
    Robert Appleton Company / The Encyclopedia Press (Wikisource): Syllabus, in: Catholic Encyclopedia (1912), Bd. 14, 1. Januar 1912. Original (abgerufen 31.10.2026)
  2. Nachschlagewerk
    Cambridge University Press (Wikisource): Syllabus, in: Encyclopædia Britannica (1911), Bd. 26, 1. Januar 1911. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

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