Emil Stehle, Adveniat-Geschäftsführer und Bischof in Ecuador
Emil Stehle, 1926 geboren, Priester des Erzbistums Freiburg, war ab 1972 Leiter der Koordinationsstelle Fidei Donum für deutsche Priester in Lateinamerika, ab 1977 Geschäftsführer des Hilfswerks Adveniat, später Weihbischof in Quito und Bischof von Santo Domingo de los Colorados in Ecuador. Ein Bericht im Auftrag der Bischofskonferenz und Adveniats sammelte 2022 insgesamt 16 Meldungen sexuellen Missbrauchs gegen ihn über mehrere Jahrzehnte, von Grenzverletzungen bis zu Vergewaltigungen; sechs Betroffene waren minderjährig. Als Leiter von Fidei Donum trug er laut Bericht in drei Fällen zur Vertuschung bei: Drei in Deutschland gesuchte Priester entzogen sich durch Flucht nach Lateinamerika den Behörden. Stehle starb 2017.
- Lebensdaten
- 1926-2017 (etwa 91 Jahre alt)
- Land
- Deutschland, Ecuador, Kolumbien, Paraguay
- Institutionen
- Bischöfliche Aktion Adveniat
Koordinationsstelle Fidei Donum
Deutsche Bischofskonferenz
Diözese Santo Domingo de los Colorados - Kategorie
- Sexueller Missbrauch, Vertuschung
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Gegen Stehle ergaben sich laut Bericht insgesamt 16 Meldungen sexuellen Missbrauchs aus mehreren Jahrzehnten. Die Vorwürfe reichen von einmaligen Grenzverletzungen über sexualisierte Übergriffe bis zu Vergewaltigungen in mehreren Fällen und betreffen seine Zeit als junger Priester in Freiburg, als Kaplan in Bogotá, als Leiter der Koordinationsstelle und Adveniat-Geschäftsführer in Essen und als Bischof in Ecuador. Sechs der betroffenen Frauen waren zur Zeit der Übergriffe minderjährig. Kirchliche Beschäftigten war sein Fehlverhalten zumindest über Gerüchte bekannt; gegenüber der Obrigkeit schwiegen sie zumeist.
Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 51
„insgesamt 16 Meldungen zu sexuellem Missbrauch. Diese beziehen sich auf einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 51. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 51
„Die Tatvorwürfe reichen von einmaligen Grenzverletzungen über sexualisierte Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen in mehreren Fällen.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 51. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 51
„sechs Frauen im Zeitpunkt der sexuellen Übergriffe noch minderjährig“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 51. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 52
„Gegenüber der Obrigkeit jedoch schwiegen sie zumeist.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.2.7, S. 52. Original
Was geschah mit den Betroffenen?
- Bei Adveniat und in den Fidei-Donum-Netzwerken blieb sexueller Missbrauch laut Bericht lange ein Thema der anderen: Die MHG-Studie von 2018 wurde in einem Rundbrief mit vier Sätzen bedacht; ein früherer Fidei-Donum-Leiter stieß 2011 mit dem Thema auf Widerstand, die Betroffenen seien überhaupt nicht im Fokus gewesen.
Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 3.1, S. 107
„mit nur vier Sätzen bedacht“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 3.1, S. 107. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 3.1, S. 108
„Mit dem Thema sei er, so Klaschka, jedoch auf Widerstand gestoßen. Die Betroffenen seien überhaupt nicht im Fokus gewesen“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 3.1, S. 108. Original
Hintergrund
Ablauf
- Stehle wurde 1926 geboren und 1951 in Freiburg zum Priester geweiht. 1972 beriefen ihn die deutschen Bischöfe zum ersten Leiter der Koordinierungsstelle Fidei Donum für die in Lateinamerika tätigen deutschen Weltpriester; dieses Amt hatte er bis 1984. 1977 wurde er Geschäftsführer von Adveniat, 1983 Weihbischof in Quito und 1987 erster Bischof von Santo Domingo de los Colorados in Ecuador. Er starb 2017.
Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35
„1951 wurde er in Freiburg zum Priester geweiht“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35
„1972 zum ersten Leiter der Koordinierungsstelle Fidei Donum für die in Lateinamerika tätigen deutschen Weltpriester. Dieses Amt bekleidete Stehle bis 1984.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35
„1987 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Santo Domingo de los Colorados in Ecuador.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35
„Er starb 2017.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.1, S. 35. Original
Reaktion der Kirche
- Als Leiter der Fidei-Donum-Koordinationsstelle trug Stehle laut Bericht in drei Fällen zur Vertuschung von Straftaten bei: Drei Priester wurden in Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden gesucht, zwei davon wegen Sexualdelikten an Minderjährigen in mehreren Verfahren; alle drei entzogen sich durch Flucht nach Lateinamerika. Der Bischof von Encarnación in Paraguay nahm belastete Priester auf. Dokumentiert ist eine Spende von 10.000 DM eines dieser Priester an Stehle mit den Worten „Vergelt’s Gott!“. Siehe Einträge Bistum Hildesheim 1957 und Bistum Eichstätt 1965.
Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70
„hat Emil Stehle in seiner Zeit als Leiter der Fidei Donum-Koordinationsstelle in drei Fällen zur Vertuschung von Straftaten beigetragen“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70
„Alle drei haben sich durch Flucht dem Zugriff der Behörden entzogen. FD-01 und FD-02 wurden wegen Sexualdelikten an Minderjährigen sogar in mehreren Verfahren gesucht.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70
„Der Bischof von Encarnación, Juan Bockwinkel, zeigte sich für die Aufnahme von belasteten Fidei Donum-Priestern offen.“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70. Original Beleg: Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70
„Dokumentiert ist allerdings eine Spende in Höhe von 10.000 DM von FD-04 an Emil Stehle“
Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, Teil 2, Kap. 1.3.1.7, S. 70. Original
Siehe auch
-
1957-1982 · 25 Jahre
Bistum Hildesheim 1957 bis 1982: Bischof Janssen und sein Generalvikar vertuschten laut Expertenbericht die Taten eines per Haftbefehl gesuchten Priesters, der in Paraguay unter anderem Namen weiterarbeitete
- Deutschland
- Gewalt
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
-
1965-1986 · 21 Jahre
Bistum Eichstätt 1965 bis 1976: Ein per Haftbefehl gesuchter Priester floh nach Tansania und Brasilien; die Bistumsleitung verschwieg laut Kommission seinen Aufenthaltsort und zahlte sein Gehalt weiter, bis die Taten verjährt waren
- Brasilien
- Deutschland
- TZ
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Kommissionsbericht
Bettina Janssen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischöflichen Aktion Adveniat: Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, 8. August 2022. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
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Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.