Bistum Augsburg 1930 bis 2023: Aufarbeitungskommission fand 77 beschuldigte Kleriker; unter den Bischöfen Stimpfle und Dammertz reagierte das Bistum in zwei Dritteln der Fälle unangemessen
Die Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg unter dem früheren Präsidenten des Sozialgerichts Augsburg legte im Oktober 2025 eine vertiefte Auswertung der MHG-Daten für das Bistum vor. Sie identifizierte 77 beschuldigte Kleriker, 5,1 Prozent aller Kleriker des Zeitraums, mit gesicherten Taten an 156 Betroffenen; 42,5 Prozent der Betroffenen waren Kinder unter 14 Jahren. Von 1930 bis 2004 waren 63,4 Prozent der geprüften Reaktionen des Bistums unangemessen, unter Bischof Stimpfle 64, unter Bischof Dammertz 69 Prozent. Vor 2002 standen laut Kommission die Interessen der Kirche eindeutig im Vordergrund. Seit 2005 sank der Anteil unangemessener Reaktionen auf 13,5 Prozent, seit 2020 gab es keine Beanstandung.
- Zeitraum
- 1930-2023 (93 Jahre)
- Land
- Deutschland
- Institutionen
- Bistum Augsburg
- Kategorie
- Sexueller Missbrauch, Vertuschung
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Die Kommission identifizierte 77 beschuldigte Kleriker. Ihnen konnten gesichert Taten an 156 Betroffenen zugeordnet werden; das entspricht 5,1 Prozent der 1.507 Kleriker des Untersuchungszeitraums, leicht über dem Wert der MHG-Studie. An anderer Stelle nennt die Studie 193 Taten, 129 an männlichen und 59 an weiblichen Betroffenen. 42,5 Prozent der Betroffenen waren Kinder unter 14 Jahren. 36 Prozent der Beschuldigten leugneten die Taten oder deren sexuellen Charakter.
Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„Im Bistum Augsburg wurden 77 beschuldigte Kleriker“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Titelblatt
„Präsident des Sozialgerichts Augsburg a. D.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Titelblatt. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5.1.1
„Ihnen konnten gesichert Taten an 156 Betroffenen zugeordnet werden.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5.1.1. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5.1.1
„Bezogen auf die 1.507 Kleriker des Untersuchungszeitraums ergibt dies einen Wert von 5,1 %“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5.1.1. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„Insgesamt waren den 77 Beschuldigten 193 Taten zuzuschreiben, von denen 129 auf männliche und 59 auf weibliche Betroffene entfielen“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„42,5 % der Betroffenen waren Kinder unter 14 Jahren.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„36 % der Beschuldigten leugneten die sexuelle Bestimmung der Handlungen oder bestritten die Tatvorwürfe vollumfänglich.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie
Was geschah mit den Betroffenen?
- Ab 2005 (Bischöfe Mixa, Zdarsa, Meier) waren 7 von 52 geprüften Reaktionen unangemessen, 13,5 Prozent; unter Bischof Meier seit 2020 war kein Fall zu beanstanden. Die Kommission sieht den Wandel in den Leitlinien der Bischofskonferenz von 2002.
Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„in sieben Fällen wurde die Reaktion als unangemessen betrachtet (13,5 %)“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 4.2.3
„Im Episkopat von Dr. Meier (seit 2020) war kein einziger Fall zu beanstanden.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 4.2.3. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 4.2.3
„Erst mit Verabschiedung der Leitlinien“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 4.2.3. Original · Archivkopie
Hintergrund
Reaktion der Kirche
- Die Kommission prüfte die Reaktionen des Bistums an fünf Pflichten: Aufklärung, Anzeige, Sanktion, Verhinderung und Opferfürsorge. Während der Amtszeiten der Bischöfe Kumpfmüller, Freundorfer, Stimpfle und Dammertz von 1930 bis 2004 waren 26 von 41 geprüften Reaktionen unangemessen, 63,4 Prozent; unter Josef Stimpfle (1963 bis 1992) und Viktor Dammertz (1993 bis 2004) waren es 64 und 69 Prozent. Laut Kommission standen vor 2002 die Interessen der Kirche eindeutig im Vordergrund; die Institution schützte ihre Amtsträger durch Strukturen der Macht, des Schweigens und der Loyalität.
Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„konnten 41 Fälle geprüft werden, 26 Reaktionen waren unangemessen (63,4 %)“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„Aufklärungspflichten, Anzeigepflichten, Sanktionspflicht, Verhinderungspflichten und Pflicht zur Opferfürsorge“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 4.2.3
„in 64 bzw. 69 % der untersuchten Fälle die Sachbehandlung durch die Verantwortungsträger im Bistum Augsburg als unangemessen zu bewerten“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 4.2.3. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5, Resümee
„Vor 2002 standen die Interessen der Kirche eindeutig im Vordergrund.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5, Resümee. Original · Archivkopie Beleg: Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul), Kap. 5.1.1
„Einerseits schützte die Institution Kirche ihre Amtsträger durch Strukturen der Macht, des Schweigens und der Loyalität.“
Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, Kap. 5.1.1. Original · Archivkopie
Siehe auch
-
1945-2019 · 74 Jahre
Sexueller Missbrauch in der Erzdiözese München und Freising (Gutachten 2022)
- Deutschland
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
-
1946-2014 · 68 Jahre
Sexueller Missbrauch durch katholische Kleriker in Deutschland (MHG-Studie)
- Deutschland
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Kommissionsbericht
Unabhängige Aufarbeitungskommission Augsburg (Vorsitz Hubert Paul): Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg. Vertiefte Auswertung des der MHG-Studie zugrundeliegenden Datenbestandes für das Bistum Augsburg unter besonderer Berücksichtigung der Verantwortlichkeiten, 30. Oktober 2025. Original · Archivkopie (abgerufen 30.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 30. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.