Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
1950-2004 · 54 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg 1950 bis 2004: Hausgeistliche missbrauchten Heimkinder, Ordensschwestern übten schwere körperliche Gewalt aus

Eine vom Bistum Augsburg 2019 beauftragte Projektgruppe untersuchte Gewalt in zwei katholischen Kinderheimen bei Augsburg, in denen Dillinger Franziskanerinnen die Kinder betreuten. Laut Abschlussbericht von 2021 übten in Reitenbuch zumindest zwei Hausgeistliche zwischen 1966 und 1973 strafbare sexuelle Gewalt aus; weitere Mitarbeiter und ein Nachbar missbrauchten Jungen. Zahlreiche Heimkinder erlitten schwere körperliche Gewalt, vor allem durch die Heimleiterin und vier Ordensschwestern, dazu Schläge mit dem Bambusstecken auf den nackten Hintern und demütigende Strafen ohne Rücksicht auf Essen und Schlaf. Bekannt gewordene Missbrauchsfälle galten als erledigt, sobald der Täter entfernt war. Die Projektgruppe empfahl ein Schuldeingeständnis des Ordens und des Heimträgers.

Zeitraum
1950-2004 (54 Jahre)
Land
Deutschland
Institutionen
Josefsheim Reitenbuch
Marienheim Baschenegg
Dillinger Franziskanerinnen
Christliche Kinder- und Jugendhilfe e.V.
Bistum Augsburg
Kategorie
Gewalt, Sexueller Missbrauch
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Laut Bericht steht fest, dass in Reitenbuch zumindest zwei der drei beschuldigten Hausgeistlichen, einer davon wiederholt, strafbare sexuelle Gewalt ausübten; betroffen waren zumindest zwei Heimkinder und ein Jugendlicher zwischen 1966 und 1973. Zwischen 1964 und 1978 missbrauchten zudem drei Mitarbeiter und ein Nachbar des Heims wiederholt mehrere Jungen. Auch ältere Heimkinder übten sexuelle Gewalt gegen jüngere aus, in Reitenbuch zwischen 1965 und 1995, in Baschenegg zwischen 1995 und 2004.
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 4
    „Danach steht fest, dass in Reitenbuch zumindest zwei der drei beschuldigten Hausgeistlichen, einer davon wiederholt, strafbare sexuelle Gewalt ausgeübt haben.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 4. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 4
    „Betroffen waren zumindest zwei männliche Heimkinder und ein Jugendlicher in der Zeit von 1966 bis 1973.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 4. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 4
    „zwischen 1964 und 1978 wiederholt strafbaren sexuellen Missbrauch durch insgesamt drei Mitarbeiter und einen Nachbarn des Heims“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 4. Original
  2. Schwere körperliche Gewalt erlitten zahlreiche Heimkinder in Reitenbuch vor allem durch die bis 1972 verantwortliche Heimleiterin und vier Ordensschwestern, die zwischen 1950 und 1989 Erzieherinnen waren. Auch weitere Heimleiterinnen, Ordensschwestern als Lehrerinnen, die Hausgeistlichen und andere Priester überschritten mit Körperstrafen wie heftigsten Schlägen mit dem Bambusstecken auf den nackten Hintern vielfach die Grenzen der Rechtmäßigkeit. Hinzu kam laut Bericht ausgeprägte psychische Gewalt durch angsteinflößende und demütigende Strafen ohne Rücksicht auf Essen oder Schlaf. In Baschenegg übten Ordensschwestern bis 2004 ebenfalls Gewalt aus, wenn auch deutlich weniger.
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 5
    „Schwere körperliche Gewalt erlitten zahlreiche Heimkinder in Reitenbuch hauptsächlich durch die bis 1972 verantwortliche Heimleiterin und durch vier Ordensschwestern, die in der Zeit zwischen 1950 und 1989 als Erzieherinnen tätig waren.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 5. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 5
    „heftigste Schläge mit dem Bambusstecken auf den nackten Hintern“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 5. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 5
    „ausgeprägte psychische Gewalt in Form eines Katalogs von angsteinflößenden und demütigenden Sanktionen ohne Rücksicht auf elementare Grundbedürfnisse wie Essen oder Schlaf“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 5. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 6
    „In Baschenegg wurde bis 2004 ebenfalls körperliche, psychische und soziale Gewalt durch Ordensschwestern ausgeübt“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 6. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Am 4. Dezember 2019 beauftragte der damalige Diözesanadministrator und spätere Bischof von Augsburg, Bertram Meier, eine Projektgruppe mit der unabhängigen Aufklärung der Gewalt im Josefsheim Reitenbuch und vorsorglich im Marienheim Baschenegg für 1950 bis 2004. Die Dillinger Franziskanerinnen betreuten die Kinder in Reitenbuch bis 1999, in Baschenegg bis 2011. Grundlage waren die Akten von Bistum, Heimen und Heimträger sowie die Schilderungen von 36 ehemaligen Heimkindern und Zeitzeugen.
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 1
    „am 04.12.2019 die Projektgruppe beauftragt“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 1. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 1
    „Er umfasst die Zeitspanne zwischen 1950 und 2004.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 1. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 2
    „Letztere waren in Reitenbuch bis 10.11.1999 und in Baschenegg bis 2.1.2011 mit der Pflege und Betreuung der Kinder und Jugendlichen in den Heimen betraut.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 2. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 3
    „Elementarer Bestandteil der Aufklärungsarbeit waren die Schilderungen von 36 ehemaligen Heimkindern und Zeitzeugen“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 3. Original

Hintergrund

Reaktion der Kirche

  1. Vormund, Pfleger und Heimaufsicht versagten laut Bericht ausnahmslos. Als systemische Gründe nennt der Bericht unter anderem die ungeklärte Verantwortung für die Hausgeistlichen, die ohne Rücksicht auf ihren Umgang mit Kindern ausgewählt wurden, die Überlastung der Schwestern bei Überbelegung sowie ein von Tugendrigorismus geprägtes Selbstverständnis der Oberinnen. Bekannt gewordene Missbrauchsfälle galten als charakterliches Versagen des Täters und mit seiner Entfernung als erledigt. Die Projektgruppe empfahl ein Schuldeingeständnis der Dillinger Franziskanerinnen und des Heimträgers.
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 7
    „Vormund und Pfleger haben in diesen Fällen ausnahmslos versagt, ebenso die präventive Heimaufsicht.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 7. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 8
    „die ungeklärte Verantwortlichkeit für die Hausgeistlichen, deren Auswahl ohne Rücksicht auf den förderlichen Umgang mit Kindern erfolgte“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 8. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 8
    „Sofern einzelne Fälle sexuellen Missbrauchs der Heimleitung bekannt wurden, galten diese als charakterliches Versagen des Täters und wurden mit seiner Entfernung aus der Umgebung der Kinder als erledigt betrachtet.“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 8. Original
    Beleg: Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg, Absatz 10
    „Empfohlen wird darüber hinaus ein Schuldeingeständnis der Dillinger Franziskanerinnen und der Christlichen Kinder- und Jugendhilfe e.V..“
    Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, Absatz 10. Original

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Projektgruppe Reitenbuch im Auftrag des Bistums Augsburg: Presseinformation der Projektgruppe Reitenbuch zur Vorstellung des Abschlussberichts über die Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und Marienheim Baschenegg, 8. September 2021. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.