Hexenverfolgung in den Hochstiften Bamberg, Würzburg und Eichstätt 1612 bis 1631: In geistlichen Fürstentümern die schlimmsten Verfolgungen Europas
Laut Historischem Lexikon Bayerns fanden in einigen geistlichen Fürstentümern in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit insgesamt rund 6.000 Todesopfern die schlimmsten in Europa bekannten Hexenverfolgungen statt. In den Hochstiften Bamberg und Würzburg fielen in der letzten Phase um 1626 bis 1630 jeweils 900 bis 1.200 Menschen zum Opfer, im Hochstift Eichstätt zwischen 1612 und 1637 mehrere hundert. Die Opfer waren Frauen, Männer und Kinder aller Stände, in Würzburg auch viele Geistliche. Landesherren waren die Fürstbischöfe; das Lexikon betont, dass sie nicht allein handelten, sondern mit Beamten, Beratern und Juristen, und dass auch Geldinteressen der Verfolger eine Rolle spielten.
- Zeitraum
- 1612-1631 (19 Jahre)
- Land
- Deutschland
- Institutionen
- Hochstift Bamberg
Hochstift Würzburg
Hochstift Eichstätt - Kategorie
- Folter, Mord, Verfolgung
- Belegstufe
- B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?
- Personen
- Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (Fürstbischof von Bamberg 1623 bis 1633)
Johann Christoph von Westerstetten (Fürstbischof von Eichstätt 1612 bis 1637)
Friedrich Förner (Weihbischof und Generalvikar in Bamberg, Verfasser von 35 Hexenpredigten)
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Geistliche Fürstentümer nahmen laut Historischem Lexikon Bayerns eine Sonderstellung ein: In einigen von ihnen wurden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit insgesamt rund 6.000 Todesopfern die schlimmsten in Europa bekannten Verfolgungen durchgeführt; etwa ein Viertel der Betroffenen im Reich waren Einwohner geistlicher Territorien. Besonders heftig waren die Verfolgungen in den fränkischen Hochstiften um 1626 bis 1630, als in Bamberg und Würzburg jeweils 900 bis 1.200 Menschen zum Opfer fielen; schon ab 1616 hatte es Prozesswellen in Zeil am Main und Gerolzhofen gegeben.
Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Ausmaß und Spezifika
„Geistliche Fürstentümer nahmen eine Sonderstellung in den Hexereiprozessen ein. In einigen von ihnen wurden mit insgesamt rund 6.000 Todesopfern in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die schlimmsten in Europa bekannten Verfolgungen durchgeführt.“
Hexenverfolgung, Abschnitt Ausmaß und Spezifika. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Ausmaß und Spezifika
„Im Heiligen Römischen Reich waren somit etwa ein Viertel der Betroffenen Einwohner geistlicher Territorien.“
Hexenverfolgung, Abschnitt Ausmaß und Spezifika. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Ausmaß und Spezifika
„der in Bamberg und in Würzburg jeweils im gesamten Territorium zwischen 900 und 1.200 Menschen zum Opfer fielen. Bereits ab 1616 war es in beiden Territorien in den peripheren Amtsstädten Zeil am Main und Gerolzhofen zu Prozesswellen gekommen.“
Hexenverfolgung, Abschnitt Ausmaß und Spezifika. Original - Die Opfer stammten laut Lexikon aus allen Berufen, Ständen und Altersgruppen. In Bamberg wurden überproportional viele Männer aus der politischen Führungsschicht hingerichtet, in Würzburg geriet eine beachtliche Gruppe katholischer Geistlicher ins Visier; dort machten Männer mehr als die Hälfte der Hingerichteten aus. Der Kanzler des Würzburger Fürstbischofs schrieb im August 1629, er habe Kinder von sieben Jahren und Schüler von zehn bis fünfzehn Jahren hinrichten sehen.
Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Verfolgte
„Während in Bamberg beispielsweise überproportional viele Männer hingerichtet wurden, die der politischen Führungsschicht der Stadt angehörten“
Hexenverfolgung, Abschnitt Verfolgte. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Verfolgte
„geriet in der Stadt Würzburg eine zahlenmäßig beachtliche Gruppe an katholischen Geistlichen ins Visier der Kommissare. Dort machte der Anteil der Männer bei den Hinrichtungen sogar mehr als die Hälfte aus.“
Hexenverfolgung, Abschnitt Verfolgte. Original Beleg: University of Pennsylvania, History Department; Hanover Historical Texts Project, S. 29
„I have seen put to death children of seven, promising students of ten, twelve, fourteen, and fifteen.“
George L. Burr (Hg.), The Witch Persecutions, Translations and Reprints from the Original Sources of European History, Bd. 3, Nr. 4: The Witch Persecution at Wurzburg, S. 29. Original
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Das Verfahren gegen den 55-jährigen Bamberger Bürgermeister Johannes Junius 1628 gilt laut Burr als typisches Beispiel: Er wurde ohne Folter verhört, leugnete, wurde mit Daumenschrauben gefoltert und nach seinem Geständnis verbrannt.
Beleg: University of Pennsylvania, History Department; Hanover Historical Texts Project, S. 23
„In 1628 there was tried for witchcraft at the episcopal city of Bamberg, in Germany, the Burgomaster Johannes Junius. The minutes of the trial, which is in all respects a fair specimen of German witch-trials“
George L. Burr (Hg.), The Witch Persecutions, Translations and Reprints from the Original Sources of European History, Bd. 3, Nr. 4: The Witch Persecution at Bamberg, S. 23. Original Beleg: University of Pennsylvania, History Department; Hanover Historical Texts Project, S. 23 f.
„since he would confess nothing, he was put to the torture, and first the [Page 24] Thumb-screws were applied.“
George L. Burr (Hg.), The Witch Persecutions, Translations and Reprints from the Original Sources of European History, Bd. 3, Nr. 4: The Witch Persecution at Bamberg, S. 23 f.. Original Beleg: University of Pennsylvania, History Department; Hanover Historical Texts Project, S. 26
„So ended the trial of Junius, and he was accordingly burned at the stake.“
George L. Burr (Hg.), The Witch Persecutions, Translations and Reprints from the Original Sources of European History, Bd. 3, Nr. 4: The Witch Persecution at Bamberg, S. 26. Original
Hintergrund
Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)
- Laut Lexikon bildeten Geldinteressen der Verfolger ein nicht unwesentliches Element der Anklage; verschiedene gesellschaftliche Gruppen konnten privat, finanziell oder beruflich von den Prozessen profitieren. Das Lexikon widerspricht zugleich dem populären Vorwurf, in erster Linie sei die katholische Kirche verantwortlich gewesen: Die als „Hexenbischöfe“ verschrienen Fürsten hätten nicht allein gehandelt, sondern mit geistlichen und weltlichen Beamten, Beratern und Spezialisten. Den Einfluss der Predigten von Geistlichen auf die Meinungsbildung dürfe man aber nicht unterschätzen.
Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Einleitung
„wobei monetäre Interessen der Verfolger ein nicht unwesentliches Element der Anklage bildeten“
Hexenverfolgung, Einleitung. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Verfolger und weitere Akteure
„Von den Prozessen konnten die Angehörigen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen profitieren“
Hexenverfolgung, Abschnitt Verfolger und weitere Akteure. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Verfolger und weitere Akteure
„Populär ist der Vorwurf, in erster Linie sei die (katholische) Kirche für die Verfolgungen verantwortlich gewesen.“
Hexenverfolgung, Abschnitt Verfolger und weitere Akteure. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Verfolger und weitere Akteure
„Die in populären Sachbüchern als ‚Hexenbischöfe‘ verschrienen geistlichen Fürsten agierten indes nicht allein, sondern waren umgeben von geistlichen wie weltlichen Beamten, Beratern und Spezialisten“
Hexenverfolgung, Abschnitt Verfolger und weitere Akteure. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Verfolger und weitere Akteure
„ihr Einfluss auf die Meinungsbildung der Bevölkerung darf daher nicht unterschätzt werden“
Hexenverfolgung, Abschnitt Verfolger und weitere Akteure. Original
Reaktion der Kirche
- Im Hochstift Eichstätt wurden zwischen 1612 und 1637 mehrere hundert Menschen hingerichtet; unter dem laut Lexikon verfolgungsbereiten Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten nahmen die Prozesse den Charakter systematischer Verfolgungen an. Der Bamberger Weihbischof und Generalvikar Friedrich Förner widmete ihm seine 35 Hexenpredigten, die 1626 gedruckt erschienen. Im Hochstift Bamberg erreichten die Hexenverbrennungen laut Neuer Deutscher Biographie unter Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim Ende der 1620er Jahre ihren Höhepunkt; die Deutsche Biographie führt für ihn die Namensform „Johann Georg, der Hexenbrenner“. Die Hexenverfolgung im Hochstift Würzburg ist laut NDB untrennbar mit Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg verknüpft.
Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Ausmaß und Spezifika
„Auch im Hochstift Eichstätt wurden zwischen 1612 und 1637 mehrere hundert Menschen hingerichtet. Mit Johann Christoph I. von Westerstetten (reg. 1612–1637) herrschte dort ein verfolgungsbereiter Fürstbischof, unter dessen Regierung Hexenprozesse den Charakter systematischer Verfolgungen annahmen.“
Hexenverfolgung, Abschnitt Ausmaß und Spezifika. Original Beleg: Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek), Abschnitt Ausmaß und Spezifika
„Der Bamberger Weihbischof und Generalvikar Dr. Friedrich Förner (gest. 1630) widmete seine 35 Hexenpredigten, die 1626 im Druck erschienen, dem Eichstätter Bischof“
Hexenverfolgung, Abschnitt Ausmaß und Spezifika. Original Beleg: Alfred Wendehorst, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 468, Deutsche Biographie (Online-Version), Biographie
„Wie anderwärts in Franken erreichten auch im Hochstift Bamberg die Hexenverbrennungen Ende der 20er Jahre ihren Höhepunkt.“
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, Biographie. Original Beleg: Alfred Wendehorst, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 468, Deutsche Biographie (Online-Version), Namensvarianten
„Johann Georg, der Hexenbrenner“
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, Namensvarianten. Original Beleg: Hans-Wolfgang Bergerhausen, Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 387 f., Deutsche Biographie (Online-Version), Biographie
„Untrennbar mit P. verknüpft ist die Hexenverfolgung im Hochstift Würzburg, die 1626-29 kulminierte.“
Philipp Adolf von Ehrenberg, Biographie. Original · Archivkopie
Siehe auch
-
1430-1793 · 363 Jahre
Hexenverfolgung in Europa
- Deutschland
- Frankreich
- Polen
- Schweiz
- Spanien
- Vereinigtes Königreich
- Folter
- Mord
- Verfolgung
-
Person 1570-1630 · etwa 60 Jahre alt
Friedrich Förner, Weihbischof von Bamberg
- Deutschland
- Verfolgung
-
Person 1583-1631 · etwa 48 Jahre alt
Philipp Adolf von Ehrenberg, Fürstbischof von Würzburg
- Deutschland
- Folter
- Mord
- Verfolgung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Historische Quelle (zeitgenössische Schrift)
University of Pennsylvania, History Department; Hanover Historical Texts Project: George L. Burr (Hg.), The Witch Persecutions, Translations and Reprints from the Original Sources of European History, Bd. 3, Nr. 4: The Witch Persecution at Bamberg. Original (abgerufen 11.10.2026) - Historische Quelle (zeitgenössische Schrift)
University of Pennsylvania, History Department; Hanover Historical Texts Project: George L. Burr (Hg.), The Witch Persecutions, Translations and Reprints from the Original Sources of European History, Bd. 3, Nr. 4: The Witch Persecution at Wurzburg. Original (abgerufen 11.10.2026)
Fachliteratur und Nachschlagewerke
- Nachschlagewerk
Andreas Flurschütz da Cruz, Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek): Hexenverfolgung, 20. Januar 2022. Original (abgerufen 31.10.2026) - Nachschlagewerk
Alfred Wendehorst, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 468, Deutsche Biographie (Online-Version): Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, 1. Januar 1974. Original (abgerufen 31.10.2026) - Nachschlagewerk
Hans-Wolfgang Bergerhausen, Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 387 f., Deutsche Biographie (Online-Version): Philipp Adolf von Ehrenberg, 1. Januar 2001. Original · Archivkopie (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.