1911-1991 · 80 Jahre
· im Zeitstrahl zeigen
Bistum Würzburg 1911 bis 1991: Aktenprüfung der bischöflichen Knabeninternate belegt regelmäßige körperliche Gewalt; hunderte Rutenschläge beim „Knecht Ruprecht“, ein Junge blutend „verprügelt“
Im Auftrag des Bistums wertete eine Kanzlei 2019 die Archive der Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen aus. Für sexuellen Missbrauch fanden sich in diesen Akten keine Anhaltspunkte, wohl aber für körperliche Gewalt: 14 Kleriker in Würzburg, 3 in Miltenberg, 6 in Bad Königshofen. Hinzu kommen 761 dokumentierte Bestrafungen durch den „Knecht Ruprecht“. Die Kanzlei schließt, Gewalt sei eher unmittelbar als nach pädagogischen Mitteln eingesetzt worden. Alle Fälle sind verjährt.
- Zeitraum
- 1911-1991 (80 Jahre)
- Bericht veröffentlicht
- 19. November 2019
- Land
- Deutschland
- Institutionen
- Bistum Würzburg
- Kategorie
- Gewalt
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Im Kilianeum Würzburg wurden 14 Kleriker für 1911 bis 1980 mit körperlicher Gewalt in Verbindung gebracht, mit 23 dokumentierten Hinweisen, davon 16 auf regelmäßige Gewalt. Dazu kommen vier Laien und 17 Hinweise ohne bestimmbare Person. In Miltenberg sind es drei Kleriker (1948 bis 1976), in Bad Königshofen sechs Kleriker (1962 bis 1991) und zwei Laien.
Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 3
„14 Kleriker wurden mit Anzeichen auf körperliche Gewalt gegenüber Schülern in Verbindung gebracht“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 3. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 4
„3 Kleriker wurden mit Anzeichen auf körperliche Gewalt in Verbindung gebracht“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 4. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 4
„6 Kleriker wurden mit Anzeichen auf körperliche Gewalt in Verbindung gebracht“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 4. Original - In Würzburg sind 644 Bestrafungen durch den „Knecht Ruprecht“ dokumentiert, in Bad Königshofen 106, in Miltenberg 11 weitere Stellen. Der „Knecht Ruprecht“ schlug Schüler bei den Nikolausfeiern mit der Rute auf das Gesäß; ihn stellten die Zwölftklässler, vermutlich auf Initiative von Präfekten oder Direktoren.
Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 3
„Außerdem ist 644 mal körperliche Gewalt dokumentiert“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 3. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 3
„bestrafte die Schüler bei Verfehlungen mit Rutenschlägen auf das Gesäß“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 3. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 5
„Insgesamt konnten zudem 106 Bestrafungen durch den“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 5. Original
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Die Kanzlei Cornea Franz prüfte 2019 im Auftrag des Bistums die Archivbestände der drei früheren Knabeninternate. Den Akten ließen sich keine Anhaltspunkte für sexuellen Missbrauch entnehmen. Personalakten waren nicht Teil des Bestands, Akten vor 1945 sind in Würzburg zerstört.
Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 2
„Keinem der drei Aktenbestände der Kilianeen ließen sich Anhaltspunkte für sexuellen Missbrauch“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 2. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 2
„Personalakten wurden bereits gesondert geprüft und sind nicht Teil des Bestandes.“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 2. Original - Die Kanzlei schließt, Gewalt sei eher unmittelbar eingesetzt worden, als dass zuvor pädagogisch eingewirkt wurde; das Züchtigungsrecht scheide damit als Rechtfertigung aus, wobei dies allein auf statistischer Auswertung beruhe. Einzelne Vorfälle seien nicht mehr maßvoll, etwa wenn ein Junge blutende Wunden an Kopf und Hals erlitt. Alle Fälle sind verjährt; die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg sah keinen Ermittlungsbedarf.
Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 6
„der Schüler eher unmittelbar eingesetzt wurde, als dass zuvor pädagogisch auf die Schüler eingewirkt“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 6. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 6
„so dass dieser blutende Wunden an Kopf und Hals“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 6. Original Beleg: Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg, S. 6
„bereits verjährt sind und damit nicht weiter verfolgt werden können“
Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, S. 6. Original
Siehe auch
-
1945-2019 · 74 Jahre
Bistum Würzburg, Gutachten 2025 im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (1945–2019)
- Deutschland
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Kommissionsbericht
Cornea Franz Rechtsanwälte, im Auftrag des Bistums Würzburg: Aktenaufarbeitung Kilianeen Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen. Pressebericht vom 19.11.2019, 19. November 2019. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.