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1945-2025 · 80 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Bistum Fulda 1945 bis 2025: Aufarbeitungskommission fand 37 beschuldigte Kleriker und 120 Betroffene; die Bistumsleitung schützte Täter und verschob verurteilte Priester in andere Bistümer

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda legte 2025 nach knapp vier Jahren ihren Abschlussbericht vor. Von 76 untersuchten Fällen nahm sie 37 Missbrauchsfälle von Klerikern in die Statistik auf, mit 120 Betroffenen, 95 davon männlich. Bis Ende der 1990er Jahre reagierte die Bistumsleitung laut Kommission mit erschütternder Gleichgültigkeit gegenüber den Betroffenen und wollte vor allem verhindern, dass etwas öffentlich wurde. Keiner der Verantwortlichen sah ein Problem darin, verurteilte Täter weiter als Priester arbeiten zu lassen; sie wurden oft in andere Bistümer vermittelt. Bis 2010 nahm kein Bischof von sich aus Kontakt zu einem Betroffenen auf. Erst Vorgaben aus Rom 2001 änderten das Verhalten.

Zeitraum
1945-2025 (80 Jahre)
Land
Deutschland
Institutionen
Bistum Fulda
Kategorie
Sexueller Missbrauch, Vertuschung
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Das Auswerteteam bereitete 76 Fallgestaltungen auf; 37 Missbrauchsfälle von Klerikern gingen in die Statistik ein. Die Betroffenenstatistik nennt 120 Betroffene, 95 männlich und 25 weiblich. Die Täter schüchterten Betroffene mit ihrer Autorität, mit der Androhung von Höllenstrafen oder der Berufung auf einen höheren Willen Gottes ein. In ihren Gemeinden wurden die Betroffenen oft gemieden, verunglimpft und an den Rand gedrängt, während große Teile der Gemeinde sich hinter den Priester stellten.
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 97
    „Von den 76 Fällen sind 37 Missbrauchsfälle von Klerikern letztendlich in die statistische Auswertung genommen worden.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 97. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 197
    „knapp vierjährigen Tätigkeit der Kommission“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 197. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 102
    „Betroffenenstatistik Gesamtzahl 120 männlich 95 weiblich 25“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 102. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 201
    „Sie haben die Betroffenen mit ihrer Autorität, aber auch mit Androhung von Höllenstrafen oder Berufung auf einen höheren Willen Gottes eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 201. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 200
    „während dagegen die Betroffenen gemieden, verunglimpft und an den Rand geschoben wurden“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 200. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 200
    „wie vehement sich häufig große Teile einer Pfarrgemeinde hinter einen Priester stellten“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 200. Original · Archivkopie

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Bis 2010 nahm laut Kommission kein amtierender Diözesanbischof von sich aus fürsorglich Kontakt zu einem Betroffenen oder dessen Familie auf. Betroffene wurden von Bistumsverantwortlichen auch mit Hinweis auf negative Folgen oder ihr angebliches Einvernehmen mundtot gemacht. Für eine Beteiligung von Erzbischof Johannes Dyba an Versetzungen fand die Kommission Hinweise, aber keine Belege; Dyba wurde erst aktiv, als auch gegen ihn ermittelt wurde. Erst die Vorgaben aus Rom 2001 änderten das Verhalten. Mehrfach wurden spätere Beschuldigte trotz erheblicher Bedenken geweiht.
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 200
    „kein Fall bekannt geworden, wonach bis zum Jahr 2010 ein amtierender Diözesanbischof aus eigenem Antrieb fürsorglichen Kontakt zu einem bekanntgewordenen Betroffenen oder dessen Familie aufgenommen hätte“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 200. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 201
    „Hier wurden Betroffene unter dem Hinweis auf mögliche negative Konsequenzen oder auch auf ihr angebliches Einvernehmen mundtot gemacht.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 201. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 199
    „Die Kommission hat zwar Hinweise“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 199. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 199
    „Dyba selbst sah jedoch trotz mehrerer massiver Missbrauchsfälle erst dann Veranlassung, aktiv zu werden, nachdem auch gegen ihn auf Grund der Entscheidungen von Weihbischof Kapp strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen worden waren.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 199. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 200
    „Erst die neuen Vorgaben aus Rom führten allerdings im Jahr 2001 zu einer feststellbaren Verhaltensänderung.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 200. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 201
    „obwohl es erhebliche Bedenken gegen die Weihe gegeben hatte“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 201. Original · Archivkopie

Hintergrund

Reaktion der Kirche

  1. Laut Kommission reagierten die Bistumsverantwortlichen mindestens bis Ende der 1990er Jahre mit erschütternder Gleichgültigkeit gegenüber den Betroffenen und dem Bemühen, nichts an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, um das Bild der Kirche nicht zu beschädigen. Das gilt besonders für Bischof Adolf Bolte, die Generalvikare Günther und Plettenberg und Weihbischof Johannes Kapp, von 1977 bis 2003 für Personalfragen zuständig. Keiner der Verantwortlichen sah ein Problem darin, verurteilte Täter weiter als Priester arbeiten zu lassen; wurden ihre Taten bekannt, brachte man sie oft in anderen Bistümern unter. Ein Generalvikar schrieb in den 1960er Jahren, mehr oder weniger hätten doch alle Bischöfe die gleiche Sorge.
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 197
    „mit einem erschütternden Maß an Gleichgültigkeit gegenüber den Betroffenen und dem hauptsächlichen Bemühen reagiert, derartige Übergriffe nicht in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, um das Bild der katholischen Kirche nicht zu beschädigen“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 197. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 197
    „deutlich erkennbar von dem vorrangigen Bemühen getragen, ein Bekanntwerden von Vorfällen in der Öffentlichkeit zu verhindern“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 197. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 197
    „das Wirken von Bischof Adolf Bolte, der Generalvikare Günther und Plettenberg wie auch des im Untersuchungszeitraum am längsten personalverantwortlichen Weihbischofs Johannes Kapp“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 197. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 199
    „im Zeitraum von 1977 bis 2003“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 199. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 198
    „Keiner der Verantwortlichen sah irgendein Problem darin, selbst einschlägig verurteilte Straftäter weiter als Priester tätig werden zu lassen.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 198. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 199
    „Wenn seine Taten öffentlich bekannt geworden waren, suchten die Verantwortlichen oft nach Möglichkeiten, ihn in anderen Bistümern unterzubringen.“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 199. Original · Archivkopie
    Beleg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda, S. 199
    „Mehr oder weniger haben doch alle Bischöfe die gleiche Sorge“
    Abschlussbericht. Nur mit Mut, S. 199. Original · Archivkopie

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda: Abschlussbericht. Nur mit Mut, 1. Januar 2025. Original · Archivkopie (abgerufen 30.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 30. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.