Kinderheim Steig, Appenzell 1945 bis 1984: Historischer Bericht für die Kantonsregierung dokumentiert sadistisch-exzessive Strafen durch Ingenbohler Schwestern
Das 1853 gegründete Kinderheim Steig in Appenzell war ein staatlich beaufsichtigtes Heim, das von Ingenbohler Ordensschwestern geführt wurde. Nach Presseberichten Ehemaliger gab die Standeskommission eine historische Untersuchung in Auftrag; der Bericht von Urs Hafner und Mirjam Janett erschien im April 2017. Im Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg kam es laut Erinnerungen und Akten wiederholt zu sadistisch-exzessiven Strafen. Ehemalige berichten, zwei Schwestern hätten Kinder festgehalten, während eine dritte zuschlug, von Schlägen mit dem Teppichklopfer und dem Zwang, Erbrochenes aufzuessen. Zeitweise betreuten vier bis sechs Schwestern knapp siebzig Kinder. Die Regierung vernachlässigte laut Bericht ihre Aufsichtspflichten und nutzte die billige Arbeit der Schwestern.
- Zeitraum
- 1945-1984 (39 Jahre)
- Bericht veröffentlicht
- 11. April 2017
- Land
- Schweiz
- Institutionen
- Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz Ingenbohl
Kinderheim Steig
Kanton Appenzell Innerrhoden - Kategorie
- Gewalt
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- Im Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg kam es laut Erinnerungen und Akten wiederholt zu sadistisch-exzessiven Strafen, die das damals akzeptierte Maß weit überstiegen. Ehemalige berichten, zwei Schwestern hätten sie auf dem Bett festgehalten, während die Schwester mit dem Prügel zuschlug, bis sie bluteten; eine Schwester habe mit den Füßen auf am Boden Liegende eingetreten. Knaben seien nach Kissenschlachten mit dem metallenen Teppichklopfer geschlagen worden. Berichtet wird auch vom Einsperren in eine Kammer, Schlägen mit dem Gurt und dem Zwang, Erbrochenes aufzuessen.
Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 134
„wiederholt zu sadistisch-exzessiven Strafen und Gewaltanwendungen“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 134. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 1 bzw. 7
„zwei Schwestern hielten uns auf dem Bett, und die Schwester mit dem Prügel schlug auf uns ein, und wir bluteten“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 1 bzw. 7. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 7
„Die Schwester hat geschlagen und geschlagen und geschlagen, mit den Füssen reingetreten“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 7. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 7
„hätten diese sie mit dem metallenen Teppichklopfer geschlagen“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 7. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 7
„Auch vom Wegsperren in eine Kammer, von Schlägen mit dem Gurt und vom Aufessen von Erbrochenen wird berichtet.“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 7. Original
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Nach Presseberichten Ehemaliger 2015 gab die Standeskommission von Appenzell Innerrhoden eine historische Untersuchung über den Heimalltag von 1945 bis zur Schließung 1984 in Auftrag. Das Heim war 1853 gegründet worden und wurde von Ingenbohler Ordensschwestern geführt. Die Autoren sprachen mit zehn Ehemaligen, vier Ordensschwestern und einer Provinzrätin von Ingenbohl.
Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Titelblatt
„Historischer Bericht zuhanden der“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Titelblatt. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Vorwort, S. 6
„von Ingenbohler Ordensschwestern geführte Heim“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Vorwort, S. 6. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 2
„mit zehn ehemaligen Insassinnen und Insassen, mit vier Ordensschwestern und einer Provinzrätin von Ingenbohl“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 2. Original
Was geschah mit den Betroffenen?
- Die Kantonsregierung, die das Heim trug, vernachlässigte laut Bericht ihre Fürsorge- und Aufsichtspflichten; sie schaute einmal im Jahr kurz vorbei und ignorierte Hinweise auf Missstände. Das Heim war auch deshalb eine kostengünstige Lösung, weil das Gehalt der Schwestern weit unter dem Marktlohn lag.
Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 135
„Die Regierung, welche die Steig führte, vernachlässigte ihre Fürsorge- und Aufsichtspflichten.“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 135. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 135
„Nicht zuletzt dank den Schwestern, deren Gehalt weit unter dem Marktlohn lag“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 135. Original
Hintergrund
Reaktion der Kirche
- Im Heim herrschte ein striktes Regime: Die Oberin gehorchte der Zentrale in Ingenbohl, die Schwestern der Oberin, die Kinder den Schwestern. Die Pädagogik der Schwestern war laut Bericht kaum reflektiert, negativ und repressiv. Die Ingenbohler Schwestern führten keine Kinderdossiers. Zeitweise waren vier bis sechs Schwestern für knapp siebzig Kinder und Jugendliche verantwortlich.
Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 137
„Die Oberin gehorchte der Zentrale in Ingenbohl, die Schwestern gehorchten der Oberin, die Kinder den Schwestern.“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 137. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 137
„Die von den Schwestern praktizierte und kaum reflektierte Pädagogik war der Tendenz nach negativ und repressiv.“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 137. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 2
„Die Ingenbohler Schwestern führten keine Kinderdossiers.“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 2. Original Beleg: Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 133
„Zeitweise waren vier bis sechs Schwestern für knapp siebzig Kinder und Jugendliche verantwortlich.“
Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, Kap. 9 Fazit, S. 133. Original
Siehe auch
-
1907-1967 · 60 Jahre
Kinderheim Einsiedeln 1907 bis 1967: Ingenbohler Schwestern straften mit Prügel, Essensentzug und Untertauchen bettnässender Kinder; Studie spricht von teils rituellem Charakter der Gewalt
- Schweiz
- Gewalt
-
1930-1970 · 40 Jahre
Kirchliche Erziehungsheime im Kanton Luzern 1930 bis 1970: Von der Kirche beauftragte Studie „Hinter Mauern“ belegt Gewalt und sexuellen Missbrauch durch Geistliche und Schwestern; kirchliche Behörden schritten aus Sorge um den Ruf nicht ein
- Schweiz
- Eingeständnis
- Gewalt
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Staatlicher Bericht
Urs Hafner und Mirjam Janett, im Auftrag der Standeskommission Appenzell Innerrhoden: Draussen im Heim. Die Kinder der Steig, Appenzell 1945 bis 1984. Historischer Bericht zuhanden der Standeskommission Appenzell Innerrhoden, 11. April 2017. Original (abgerufen 31.10.2026)
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- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.