Kirchenakte Belegte Ereignisse aus Urteilen, Berichten und kirchlichen Dokumenten
1946-1983 · 37 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Bischöfliches Internat Albertinum Gerolstein 1946 bis 1983: Gewalt war laut Abschlussbericht zentraler Bestandteil des Alltags; alle drei Priester-Direktoren beschuldigt

Das Albertinum in Gerolstein war von 1946 bis 1983 ein katholisches Jungeninternat in Trägerschaft des Bistums Trier. Nach Meldungen ehemaliger Schüler beauftragte Bischof Stephan Ackermann 2019 eine Aufarbeitung; der Abschlussbericht von 2022 hält fest, dass Gewalt für viele Jungen zentraler Bestandteil des Alltags war. Am häufigsten berichteten Ehemalige körperliche Gewalt bis hin zur Misshandlung, seltener sexuelle Gewalt, die meist als sexueller Missbrauch von Kindern einzuordnen ist und im Verborgenen geschah oder als Strafe oder Reinlichkeitskontrolle getarnt wurde. Beschuldigt sind alle drei langjährigen Direktoren, sämtlich Priester, und ein langjähriger Mitarbeiter. Das Bistum wählte die Leiter nicht nach Eignung aus und übte laut Bericht keine erkennbare Aufsicht aus.

Zeitraum
1946-1983 (37 Jahre)
Land
Deutschland
Institutionen
Internat Albertinum Gerolstein
Bistum Trier
Kategorie
Gewalt, Sexueller Missbrauch
Belegstufe
A Primärquelle · was heißt das?

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Laut Bericht lassen die Ergebnisse keinen Zweifel daran, dass Gewalt zentraler Bestandteil des Alltags vieler Jungen war. Am häufigsten berichtet wurde körperliche Gewalt, vielfach als Misshandlung einzuordnen; sexuelle Gewalt wurde am seltensten berichtet und ist in der Mehrzahl der Fälle als sexueller Missbrauch von Kindern oder Schutzbefohlenen einzuordnen. Sie geschah im Verborgenen, außer wenn sie als Bestrafung oder Reinlichkeitskontrolle getarnt werden konnte.
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8, S. 121
    „Die Ergebnisse der Aufarbeitung lassen keinen Zweifel daran, dass Gewalt während des Aufenthalts im Internat Albertinum Gerolstein zentraler Bestandteil des Alltags vieler Jungen war.“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8, S. 121. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.1, S. 121
    „Die am häufigsten berichtete Gewalt ist die körperliche Gewalt, die vielfach aufgrund der erheblichen körperlichen und psychischen Beeinträchtigung der Misshandlung zuzuordnen ist.“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.1, S. 121. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.1, S. 121
    „die in der Mehrzahl der Fälle als sexueller Missbrauch von Kindern bzw. Schutzbefohlenen einzuordnen ist“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.1, S. 121. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.1, S. 121
    „Ausgenommen waren sexuelle Gewalthandlungen, die als Bestrafung oder Reinlichkeitskontrolle getarnt werden konnten“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.1, S. 121. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Das Albertinum wurde von 1946 bis 1983 als katholisches Jungeninternat in Trägerschaft des Bistums Trier geführt und über die Jahrzehnte im Wesentlichen von drei Priestern als Direktoren geleitet. Zwischen 2010 und 2012 und ab 2018 berichteten ehemalige Schüler dem Bistum von körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt. Am 8. Juli 2019 beauftragte Bischof Stephan Ackermann die Erziehungswissenschaftlerin Claudia Bundschuh und die Rechtsanwältin Bettina Janssen mit einer Aufarbeitung; der Abschlussbericht erschien im Februar 2022.
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 3
    „das von 1946 bis 1983 als katholische Einrichtung in Trägerschaft des Bistums Trier geführt wurde“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 3. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 2.1
    „im Wesentlichen von drei Direktoren (Priestern) geleitet worden war“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 2.1. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 1.1
    „Zwischen 2010 und 2012 hatten zunächst drei Ehemalige ihre Erfahrungen von körperlicher und psychischer Gewalt und zwei Ehemalige ihre Erfahrungen von körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt gegenüber dem Bistum Trier offenbart.“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 1.1. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 1.1
    „erfolgte am 8. Juli 2019 durch den Bischof des Bistums Trier, Dr. Stephan Ackermann“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 1.1. Original

Was geschah mit den Betroffenen?

  1. Viele Betroffene konnten die Erlebnisse laut Bericht schon während der Internatszeit nicht bewältigen und litten unter Angst, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen; bei anderen wirken sie bis heute in psychischen Erkrankungen nach, die manchen die Berufstätigkeit erschwerten oder unmöglich machten. Viele Ehemalige bedauern, dass die Beschuldigten nicht mehr bestraft werden können, weil sie nicht mehr leben.
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.4, S. 124
    „Permanente Angst, Selbstzweifel, Schuldgefühle und das Empfinden von Einsamkeit“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.4, S. 124. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.4, S. 125
    „Bei anderen wirken die traumatischen Erlebnisse bis heute nach in psychischen Belastungen und/oder psychischen Erkrankungen“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.4, S. 125. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 9.1.1, S. 125
    „Viele Ehemalige würden sich wünschen, dass die Beschuldigten heute noch bestraft werden könnten für ihre Gewalttaten“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 9.1.1, S. 125. Original

Hintergrund

Reaktion der Kirche

  1. Der körperlichen und psychischen Gewalt beschuldigt sind alle drei langjährigen Direktoren, sämtlich Priester, und neun Mitarbeiter; der sexuellen Gewalt ebenfalls die Direktoren und ein langjähriger Mitarbeiter, der in allen drei Leitungsphasen durch Häufigkeit und Intensität der Gewalt herausstach. Laut Bericht gibt es keinen Hinweis, dass das Bistum einen Priester nach seiner fachlichen Eignung für die Erziehung mit der Leitung beauftragte, und weder Akten noch Aussagen deuten darauf hin, dass Vertreter des Bistums regelmäßig Einblick nahmen oder Berichte einforderten. Überlastungsanzeigen zweier Direktoren blieben ohne ausreichende Folgen.
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.2, S. 121
    „Zu den Beschuldigten der körperlichen und psychischen Gewalt zählen einerseits alle drei langjährig als Direktoren tätigen Priester und neun Mitarbeiter.“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.2, S. 121. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.2, S. 121
    „Zu den Beschuldigten der sexuellen Gewalt zählen gleichfalls einerseits die als Direktoren tätigen Priester und der langjährige Mitarbeiter Herr K..“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.2, S. 121. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.3.3, S. 123
    „Es gibt keine Hinweise darauf, dass ein Priester mit Fokus auf seine fachliche Eignung für die Erziehung und Bildung der ihm anvertrauten Jungen mit der Leitung des Internats beauftragt worden war.“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.3.3, S. 123. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.3.3, S. 123
    „Weder die Archivdokumente noch die Aussagen der Ehemaligen liefern Hinweise, die darauf schließen lassen, dass Vertreter des Bistums im Sinne der Aufsicht regelmäßig Einsicht in die Abläufe der Internatspraxis genommen oder regelmäßige Berichte eingefordert haben.“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.3.3, S. 123. Original
    Beleg: Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier, Kap. 8.3.3, S. 123
    „Warum wurden Überlastungsanzeigen des zweiten und dritten Direktors nicht zum Anlass für eine Neubesetzung bzw. bessere personelle Ausstattung genommen?“
    Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, Kap. 8.3.3, S. 123. Original

Siehe auch

Originaldokumente zum Nachlesen

  1. Kommissionsbericht
    Claudia Bundschuh und Bettina Janssen im Auftrag des Bistums Trier: Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein. Aufarbeitung mit und für Betroffene. Abschlussbericht, 1. Januar 2022. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.