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1587-1594 · 7 Jahre · im Zeitstrahl zeigen

Kurtrier 1587 bis 1594: Unter Erzbischof Johann VII. und Weihbischof Binsfeld werden Hunderte als Hexen verbrannt, darunter Stadtschultheiß Flade; der Theologe Loos muss seine Kritik widerrufen

Zwischen 1587 und 1593 wurden in der Umgebung von Trier laut einem zeitgenössischen Verzeichnis 368 Menschen wegen Zauberei verbrannt. Die Prozesse liefen vor dem weltlichen Hochgericht des Kurfürsten, der zugleich Erzbischof war; Jesuiten und Weihbischof Binsfeld verbreiteten laut Voltmer die Hexenfurcht. Dietrich Flade, selbst Hexenrichter, wurde 1589 hingerichtet und verbrannt. Der Theologe Cornelius Loos schrieb gegen die Folter, sein Buch wurde auf Betreiben des päpstlichen Nuntius beschlagnahmt, er wurde eingesperrt und musste 1593 widerrufen.

Tote
368 (gezählt, zeitgenössisches Verzeichnis für die Umgebung von Trier, 1587 bis 1593)
Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie)
„nicht minder als 368 Personen beiderlei Geschlechtes wegen Zauberei verbrannt worden“
Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878). Original
Zeitraum
1587-1594 (7 Jahre)
Land
Deutschland
Institutionen
Erzstift Trier
Jesuitenorden
Reichsabtei St. Maximin
Kategorie
Enteignung, Verfolgung, Zensur
Belegstufe
B zwei unabhängige Fachquellen · was heißt das?
Personen
Johann VII. von Schönenberg (Erzbischof und Kurfürst von Trier)
Dietrich Flade (Stadtschultheiß von Trier, 1589 hingerichtet)
Cornelius Loos (Theologe, Kritiker der Prozesse, zum Widerruf gezwungen)
Ottavio Mirto Frangipani (päpstlicher Nuntius)
Reiner Biewer (Abt von St. Maximin)

Was den Menschen geschah

Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen

  1. Laut einem zeitgenössischen handschriftlichen Verzeichnis wurden in der Umgebung von Trier zwischen dem 18. Januar 1587 und dem 18. November 1593 368 Menschen beiderlei Geschlechts wegen Zauberei verbrannt.
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „nach einem gleichzeitigen handschriftlichen Verzeichniß nicht minder als 368 Personen beiderlei Geschlechtes wegen Zauberei verbrannt worden“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original
  2. Flade wurde am 18. September 1589 bei Euren hingerichtet. Laut ADB wurde er mit dem Strang getötet und dann verbrannt, laut Franz in einer Strohhütte verbrannt. Laut ADB behauptete er seine Unschuld, laut Franz gestand er vor der Hinrichtung nach Darstellung des Jesuiten Del Rio die Hexerei. Ob er ein Gegner der Prozesse war, bezweifelt Franz; in den Akten findet sich dafür kein Hinweis.
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „im J. 1589 in Trier mit dem Strange hingerichtet und dann verbrannt“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „daß er seine Unschuld fest behauptete“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Dietrich Flade
    „Am 18. September 1589 wurde Flade bei der Trierer Gerichtsstätte auf der anderen Moselseite bei Euren in einer Strohhütte verbrannt.“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Dietrich Flade. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Dietrich Flade
    „Er habe vor seiner Hinrichtung nicht nur die Hexerei, sondern auch den betrügerischen Versuch, Prozesse zugunsten der Angeklagten zu manipulieren, gestanden.“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Dietrich Flade. Original

Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?

  1. Der Stadtschultheiß Dr. Dietrich Flade, der selbst viele Menschen wegen Zauberei verurteilt hatte, wurde ab 1587 belastet. Der Kurfürst ließ am 4. Juli 1588 Beschuldigungen aus 23 Verfahren untersuchen, nach einem Gutachten der theologischen Fakultät wurde Flade am 23. März 1589 verhaftet. Sein Angebot, in einen strengen Orden einzutreten und dem Kurfürsten sein Vermögen zu überlassen, lehnte dieser ab.
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „hatte F. selbst viele Personen der Zauberei schuldig erklärt und zum Tode verurtheilt“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „nach eingeholtem Gutachten der theologischen Facultät“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „ihm die Annahme der vita speculativa (also den Eintritt in einen strengen Orden) zu gestatten“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Dietrich Flade
    „1587 wurde Flade aufgrund der Aussagen eines Jungen beschuldigt“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Dietrich Flade. Original
  2. Der Theologe Cornelius Loos schrieb 1592 gegen Binsfeld, Angeklagte gestünden nur durch die Härte der Folter und man bereichere sich an den Prozessen. Der päpstliche Nuntius Ottavio Mirto Frangipani veranlasste die Beschlagnahme des Buches beim Druck in Köln. Loos wurde verhaftet, in der Abtei St. Maximin eingesperrt und musste am 15. März 1593 in Gegenwart Binsfelds einen Widerruf unterschreiben.
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Cornelius Loos
    „dass die Angeklagten nur durch die Härte der Folter gezwungen würden zu gestehen“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Cornelius Loos. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Cornelius Loos
    „Er veranlasste, dass das Buch während des Drucks in Köln beschlagnahmt, der Autor verhaftet und in der Trierer Benediktinerabtei St. Maximin eingesperrt wurde.“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Cornelius Loos. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Cornelius Loos
    „den er am 15. März 1593 in Anwesenheit seiner Gegner, des Weihbischofs Binsfeld“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Cornelius Loos. Original

Hintergrund

Wer bekam das Vermögen, wer profitierte?

  1. Flades Vermögen betrug laut Franz drei Häuser und 34.000 Goldgulden. Der Kurfürst wies 1590 4.000 Gulden, die Flade bei der Stadt stehen hatte, der Stadtpfarrei zu; sein Haus in Pfalzel wurde eingezogen.
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Dietrich Flade
    „drei stattliche Häuser in der Brückenstraße und 34.000 Goldgulden Vermögen“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Dietrich Flade. Original
    Beleg: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie), Artikel Flade, Dietrich
    „die Summe von 4000 Gulden, welche F. bei der Stadt stehen hatte, der Stadtpfarrei zuwies; auch sein Haus in Pfalzel ward confiscirt“
    Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), Artikel Flade, Dietrich. Original

Reaktion der Kirche

  1. Zwischen 1589 und 1594 fanden vor dem weltlichen Hochgericht des Kurfürsten Johann VII. von Schönenberg zahlreiche Prozesse gegen die städtische Oberschicht statt. Johann VII. war zugleich Erzbischof. Die Trierer Jesuiten trugen laut Voltmer mit Predigten und Schriften entscheidend zur Hexenfurcht bei, Weihbischof Binsfeld förderte das maßgeblich. Abt Reiner Biewer von St. Maximin duldete die Verfolgung und nutzte sie für herrschaftliche und wirtschaftliche Zwecke.
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt zu Trier
    „Zwischen 1589 und 1594 fanden in Trier vor dem weltlichen Hochgericht des Kurfürsten Johann VII. von Schönenberg zahlreiche Prozesse gegen wohlhabende, einflussreiche Männer und Frauen aus der städtischen Oberschicht statt“
    Rita Voltmer, Abläufe, Ursachen und Hintergründe der großen Hexenverfolgungen in den Territorien zwischen Reich und Frankreich (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn), Abschnitt zu Trier. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt zu Trier
    „deren Predigten, Unterweisungen und Publikationen entscheidend dazu beitrugen, Teufelsangst und Hexenfurcht zu verbreiten“
    Rita Voltmer, Abläufe, Ursachen und Hintergründe der großen Hexenverfolgungen in den Territorien zwischen Reich und Frankreich (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn), Abschnitt zu Trier. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt zu St. Maximin
    „duldete nicht nur die Hexenverfolgung, sondern nutzte sie überdies für die Durchsetzung herrschaftlicher und wirtschaftlicher Zwecke“
    Rita Voltmer, Abläufe, Ursachen und Hintergründe der großen Hexenverfolgungen in den Territorien zwischen Reich und Frankreich (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn), Abschnitt zu St. Maximin. Original
    Beleg: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Abschnitt Cornelius Loos
    „nach dem Erzbischof und Kurfürsten Johann VII. von Schönenberg die wichtigste Persönlichkeit im Trierer Klerus“
    Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), Abschnitt Cornelius Loos. Original

Siehe auch

Fachliteratur und Nachschlagewerke

  1. Fachliteratur
    Deutsches Historisches Museum, Berlin: Gunther Franz, Gegner der Hexenverfolgung (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn. Ängste der Neuzeit), 1. Januar 2002. Original (abgerufen 31.10.2026)
  2. Fachliteratur
    Deutsches Historisches Museum, Berlin: Rita Voltmer, Abläufe, Ursachen und Hintergründe der großen Hexenverfolgungen in den Territorien zwischen Reich und Frankreich (Aufsatz zur Ausstellung Hexenwahn), 1. Januar 2002. Original (abgerufen 31.10.2026)
  3. Nachschlagewerk
    Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Deutsche Biographie): Flade, Dietrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 7 (1878), 1. Januar 1878. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
  • : Aufgenommen

Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.