1946-1966 · 20 Jahre
· im Zeitstrahl zeigen
Bistum Trier 1946 bis 1966: Vierter Zwischenbericht der Universität Trier nennt mindestens 335 betroffene Kinder und Jugendliche, 123 Beschuldigte und milde Generalvikare; keine Fürsorge für Betroffene aktenkundig
Der vierte Zwischenbericht wertet 1.574 Akten aus. Unter den Bischöfen Bornewasser und Wehr nennt er mindestens 335 betroffene Kinder und Jugendliche und 123 Beschuldigte. Jeder fünfte zwischen 1946 und 1949 geweihte Priester wurde zum Beschuldigten. Entschieden haben meist die Generalvikare, und sie gingen auffällig milde vor: Sanktionen blieben oft aus, Beschuldigte wurden versetzt, zwei ins Ausland vermittelt. In 15 Jahren unter Wehr wurde nur einer zwangslaisiert. Fürsorge für Betroffene ist in keiner Amtszeit aktenkundig. Handlungsleitend war laut Bericht das Ansehen der Kirche, nicht der Kinderschutz.
- Zeitraum
- 1946-1966 (20 Jahre)
- Bericht veröffentlicht
- 8. Oktober 2026
- Land
- Deutschland
- Institutionen
- Bistum Trier
- Kategorie
- Sexueller Missbrauch, Vertuschung
- Belegstufe
- A Primärquelle · was heißt das?
Was den Menschen geschah
Wer war betroffen? Betroffene und Zahlen
- In den 21 Jahren von 1946 bis 1966 wurden mindestens 335 Kinder und Jugendliche als Betroffene identifiziert: 92 unter Bornewasser und 243 unter Wehr. Beschuldigt sind 28 Personen für 1946 bis 1951 und 95 für 1951 bis 1966. Für den gesamten Studienzeitraum 1946 bis 2021 nennt der Bericht nun 249 Beschuldigte und 782 Betroffene. Grundlage sind 1.574 Akten.
Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 1
„mindestens 335 Kinder und Jugendliche“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 1. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„in den Jahren 1951 bis 1966 waren es 95 Personen“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 1
„782 Personen sind als Betroffene bekannt“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 1. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 1
„insgesamt 1.574 Akten ausgewertet“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 1. Original - Eine Fürsorge für Betroffene ist für keine der beiden Amtszeiten aktenkundig, nicht einmal ein Gespräch. Die Gutachter schließen, diese Aufgabe sei schlicht nicht als solche wahrgenommen worden.
Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„ist für keine der beiden Amtszeiten aktenkundig“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original
Wie wurden sie angeklagt und verurteilt?
- Meldungen an Staatsanwaltschaft oder Vatikan blieben die Ausnahme. Unter Wehr wurde nur ein Fall dem Heiligen Offizium gemeldet; die Personalakte dieses Priesters zeigt Spuren nachträglicher Bereinigung, Seiten fehlen genau für Zeiträume mit vermuteten neuen Übergriffen.
Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„zugleich deutliche Spuren nachträglicher Bereinigung auf“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original
Hintergrund
Warum? Begründung und Motive (laut Quellen)
- Der Bericht führt den hohen Anteil betroffener Mädchen unter Bornewasser von 50 Prozent auf Folgen des Krieges zurück. Jeder fünfte zwischen 1946 und 1949 geweihte Priester wurde Beschuldigter oder Täter. Unter Wehr waren es 11,6 Prozent der geweihten Bistumspriester, Jungen stellten knapp zwei Drittel der Betroffenen. Zwischen 1951 und 1966 begingen auch 22 Ordensangehörige Taten, darunter drei Ordensschwestern, vielfach in Heimen und Internaten.
Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 1
„Beschuldigten bzw. Täter sexuellen Missbrauchs“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 1. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 1
„Prozent) die Hauptbetroffenen“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 1. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 1
„Hinzuweisen ist auch auf die hohe Zahl von 22 Ordensangehörigen“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 1. Original - Der Priester Johann Bernardy blieb trotz Verurteilungen 1927 und 1935 über zwei Jahrzehnte im Kirchendienst. Erst 1939, aus Sorge vor der NS-Propaganda, ordnete das Bistum eine harte Maßnahme an, die nach 1945 gelockert wurde; binnen Monaten wurde er rückfällig. Handlungsleitend war laut Bericht nicht der Schutz der Kinder, sondern die Sorge um das Ansehen der Kirche.
Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„Trotz zweier rechtskräftiger strafrechtlicher Verurteilungen (1927 und 1935)“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 3
„wurde Bernardy erneut rückfällig“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 3. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 3
„der Schutz von Kindern und Jugendlichen, sondern die Sorge um das öffentliche Ansehen“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 3. Original
Reaktion der Kirche
- Entschieden haben meist die Generalvikare Heinrich von Meurers und Peter Weins. Sie gingen laut Bericht auffällig milde mit Beschuldigten um. Unter Bornewasser blieben neun von 19 ohne Konsequenzen, sieben wurden innerhalb des Bistums versetzt. Unter Wehr wurden erstmals zwei ins Ausland vermittelt, und von 29 bekannt gewordenen Beschuldigten wurde nur einer zwangslaisiert.
Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„gingen mit den beschuldigten Priestern auffällig milde um“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„Erstmals wurden zwei Beschuldigte auch ins Ausland vermittelt“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original Beleg: Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, S. 2
„in der gesamten 15-jährigen Amtszeit ein einziger zwangslaisiert“
Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), S. 2. Original
Siehe auch
-
1946-1983 · 37 Jahre
Bischöfliches Internat Albertinum Gerolstein 1946 bis 1983: Gewalt war laut Abschlussbericht zentraler Bestandteil des Alltags; alle drei Priester-Direktoren beschuldigt
- Deutschland
- Gewalt
- Sexueller Missbrauch
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1967-2001 · 34 Jahre
Bistum Trier, Studie der Universität Trier zu sexuellem Missbrauch in den Amtszeiten der Bischöfe Stein und Spital (1967–2001)
- Bolivien
- Deutschland
- Ukraine
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
-
2002-2021 · 19 Jahre
Bistum Trier 2002 bis 2021: Dritter Zwischenbericht der Universität Trier nennt 37 Beschuldigte, mindestens 59 Betroffene und Versäumnisse beider Bischöfe; einer wurde wegen Offenlegung eines Betroffenen-Pseudonyms verurteilt
- Deutschland
- Sexueller Missbrauch
- Vertuschung
Originaldokumente zum Nachlesen
- Kommissionsbericht
Universität Trier, im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission: Lena Haase, Lutz Raphael: Sexueller Missbrauch im Bistum Trier im Zeitraum von 1946 bis 1966, Vierter Zwischenbericht (Kurzfassung), 1. Januar 2026. Original (abgerufen 31.10.2026)
Änderungsprotokoll (1)
- : Aufgenommen
Zuletzt geändert am 31. Oktober 2026. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Ergänzung oder Korrektur vorschlagen.